Baugeschichte Neuschwansteins in Zahlen

Neuschwanstein als Baustelle, Bild: Bernhard Johannes
Neuschwanstein als Baustelle, Bild: Bernhard Johannes

Bauabschnitte

  • 1868/69: Sprengarbeiten, Fundamente für Torbau und Palas, Grundsteinlegung am 5. September 1859
  • 1869–73: Bau und Einrichtung des Torbaus einschließlich einer Wohnung für den König
  • 1872–86: Bau des Ritterhauses
  • bis 1880: Bau des Palas, Aufstellung des Dachstuhls im Januar 1880, Richtfest am 29. Januar 1880
  • bis Ende 1881: Ausstattung der privaten Gemächer des Königs
  • 1883–84: Ausstattung des Sängersaals
  • 1884–86: Ausstattung des Thronsaals (nahezu abgeschlossen), Bau des Maurischen Saals (unvollendet)

Nach dem Tod des Königs wurden die Arbeiten zu einem vorläufigen Abschluss geführt. Ein Kompromiss. So wurde bis 1892 die Kemenate errichtet und der Bau des Viereckturms abgeschlossen. Auch das Ritterhaus wurde nur einfach ausgeführt. Abgesehen wurde aber von dem Ausbau der Schlosskapelle. Burggarten mit Terrassen und Springbrunnen wurde ebenso nicht mehr ausgebaut, wie der Maurische Saal und Ritterbad sowie die Räume des 1. und 2. Palas-Geschosses.

Baumaterialien

Die Mauern von Neuschwanstein errichtete man mit Backsteinen, die mit anderen Gesteinen verkleidet wurden. Die Materialien hierzu stammen aus unterschiedlichen Quellen und wurden auf den Felsen gefrachtet und mit Hilfe von modernen Baumaschinen bewegt. Der Kalkstein für die Fassaden wurde in einem nahegelegenen Steinbruch beschafft, die Sandsteine für Portale und Erker stammen aus Schlaitdorf in Württemberg und mit einem Marmor aus Untersberg nahe Salzburg wurden die Fenster, Gewölbebögen und Säulen gestaltet.

Der Baukörper des Palas Neuschwansteins wurde 1880 fertiggestellt. In diesem Jahr wurde auch Richtfest gefeiert. Beim Bau wurden in den Jahren 1879 und 1880 465 Tonnen Marmor, 1.550 Tonnen Sandstein und 400.000 Ziegelsteine für den Baukörper benötigt. Hinzu kommen etwa 3.600 Kubikmeter Sand und 600 Tonnen Zement. Das Baugerüst wurde aus 2050 Kubikmeter Holz gefertigt. Der Torbau wurde bereits 1873 fertiggestellt. Eine Zementfabrik aus Schongau lieferte 1872 rund 450 Tonnen Zement. Ebenfalls 1872 wurden 1845 Hektoliter Kalk verbraucht.

Transport

Baumaterialien für den Schlossbau hatte teils eine weite Reise und wurden mit der Eisenbahn nach Bießenhofen befördert. Der dortige Posthalter hatte die Materialien entgegenzunehmen und zu lagern. Spätestens am dritten Tag nach deren Ankunft sollten sie nach Neuschwanstein transportiert werden. Auf der Baustelle wurden sie am Fuß des Palas gelagert. Ein Dampfmaschinen-Kran bewegte die Materialien auf die Baustelle.

Arbeiter

Die Baumaßnahmen auf dem Schwanstein nahmen für mehr als zwanzig Jahre mehrere hundert Bauarbeiter, Handwerker und Hilfskräfte in Anspruch. Hinzukommen die Kräfte der Zulieferer, Fuhrleute, Landwirte und andere indirekt Beteiligte. Bis zu 300 Arbeiter sollen am Bau beteiligt gewesen sein, 1880 waren 209 Bauleute beteiligt. Gearbeitet wurde Tag und Nacht. Der “Verein der Handwerker am königichen Schloßbau zu Hohenschwangau” sicherte kranke und verletzte Bauarbeiter während ihrer Erkrankung ab. Bis zu 15 Tage wurde ihr Lohn fortgezahlt.

Finanzieller Bedarf

Der Bau von Neuschwanstein wurde von König Ludwig II. persönlich getragen und belastete nicht die Staatskasse. Im Laufe der Zeit häufte der König aber immer mehr Schulden an. Jährlich war einen Summe von 300.000 Mark für den Neubau veranschlagt. Durch Verzögerungen und immer wieder neu eingebrachte Änderungswünsche des Königs verschlag der Bau aber immer mehr Geld. In den Büchern wurden bis zum 30. April 1880 Ausgaben in Höhe von 2.051.521 Mark verzeichnet. In den folgenden 6 Jahren verschlang der Bau noch mehr als vier Million Mark. Dabei handelt es sich um unter anderem Gelder für die Ausstattung der Räume und für den nachträglichen Einbau des Thronsaals. Allein für Möbel wurden 1882/83 274.212 Mark aufgewendet. Danach nochmals 10.370 Mark, wie aus den Büchern Bürkels, dem Hofsekretär von König Ludwig II. zu entnehmen ist. Bis zum Tod des König beliefen sich die Baukosten Neuschwansteins auf etwa 6.180.047 Mark, etwa doppelt so viel als ursprünglich veranschlagt. Die Bauschulden des Königs wurden auch durch Eintrittsgelder getilgt. 1899 war König Ludwig II. schuldenfrei.