Der König wird festgesetzt – Staatskommission, 2. Akt

Bis zur Abreise nach Schloss Berg wird König Ludwig II. in seinem Schlachgemach festgehalten.
Bis zur Abreise nach Schloss Berg wird König Ludwig II. in seinem Schlachgemach festgehalten.

Nach dem Scheitern der Staatskommission berät der Ministerat in der Nacht zum 11. Juni 1886 das weitere Vorgehen. In Schwangau überlegt das Volk indes, den Monarchen zu befreien und nach Tirol zu retten. Graf Dürckheim-Montmartin, den einzig dem König gebliebenen, pfiff man zurück und drohte mit einer Anklage wegen Hochverrats. Und in München bricht am Nachmittag des 11. Juni eine zweite Kommission auf mit einer einzigen Order: König Ludwig II. in Verwahrung zu nehmen und nach Schloss Berg zu bringen. Die Kommission sollte dieses Mal nicht scheitern.

König Ludwig II. spielt mit Selbstmordgedanken

Bereits am Morgen des 11. Juni hatte Dürckheim-Montmartin Neuschwanstein verlassen. Die eindringliche Bitte des Königs, ihn nicht zu verlassen, hatte ihn erschüttert. Ludwig II. sah aber ein, dass sich sein treuer Flügeladjutant in Gefahr begibt, wenn er nicht dem Befehl folgte, sich unverzüglich nach München zu begeben. So ließ Ludwig ihn schweren Herzens ziehen. Ludwig II. bittet ihn immer wieder um Gift. Selbstmordgedanken überkommen den König. “Daß man mir die Krone nimmt, könnte ich verschmerzen”, gesteht der König seinem Kammerdiener Alfons Weber, “aber daß man mich für irrsinnig erklärt hat, überlebe ich nicht. Ich könnte es nicht ertragen, daß es mir ergeht wie meinem Bruder Otto, dem jeder Wärter befehlen darf und dem man mit Fäusten droht, wenn er nicht folgen will.” Auch gegenüber Weber äußer er Selbstmordgedanken: “Sage Hoppe, wenn er morgen kommt, um mich zu frisieren, er möge meinen Kopf in der Pöllat suchen.” Auch der Kammerdiener Mayr berichtet davon. Der König spielte mit dem Gedanken, sich vom Turm oder vom Balkon zu stürzen. Den Tag über blieb der König ruhig, doch in der Nacht trank er und der Alkohol brachte die Nervosität und Hilflosigkeit des Monarchen zum Vorschein. Auch den Schlüssel für den Turm hatte er verlangt.

Den letzten Tag vor der Abreise von Schwanstein äußerten Seine Majestät gegen den zur Bedienung verwendeten ehem. Chevauleger Alfons Weber von München, daß das Ertränken ein schöner Tod sei und nicht entstelle, während, wenn man sich hinabstürzt, man so sehr entstellt werde; er deutete auch ganz offenkundig an und sprach zum Teil auch davon, sich von Turm oder vom Balkon zu hinabzustürzen; äußerte auch gegen Weber, daß Friseur Hoppe seinen Kopf morgen da unten suchen könne; es war dies ungefähr zwischen 1/2 12 bis 1 Uhr nachts, Seine Majestät hatte viel Rum mit Gewürznelken (1 Kanne ungefähr 1 Flasche enthaltend) und eine Flasche Champagner getrunken und befand sich in großer Aufregung, als er die letzterwähnte Äußerung machte.

Bericht des Kammerdieners Mayr