Die erste Regierungszeit von Ludwig II.

König Ludwig II. als junge Regent, Fotografie Joseph Albert, 1865

Als am 10. März 1864 Ludwig II. am Totenbett seines Vaters Maximilian II. stehend von einem Pagen mit “Majestät” angesprochen wurde, erblaßte er. Der plötzliche Tod seines Vaters brachte sein bisheriges unbeschwertes Leben als Kronprinz von heute auf morgen in ganz neue Bahnen. “Der König ist Tod! – Hoch lebe der König!” Der scheue 18-jährige Kronprinz Ludwig war nun König Ludwig II. von Bayern. Und seine Jugend war vorüber, wie sein Großvater, König Ludwig I. von Bayern, in einem Schreiben bedauerte.

Einen Tag darauf, am 11. März 1864, leistete König Ludwig II. von Bayern seinen Eid auf die bayerische Verfassung und am 14. März 1864, beim Trauerzug für seinen Vater, beim dem 18.000 Militärs aufgeboten wurden, erblickte ihn die Öffentlichkeit erstmals als neuen König und war beeindruckt von seiner hohen Erscheinung. Nicht nur die Frauen schwärmen für ihn, auch die Herren waren ergriffen von seiner vornehmen Liebenswürdigkeit.

Mit Eifer bei den Regierungsgeschäften

Einem Wiener Blatte wird aus München geschrieben: Wenige Tage nach seinem Regierungsantritte beauftragte König Ludwig II. die Minister von Neumayer und von Mulzer ihm ein Verzeichnis aller noch in der Verbannung und unfreiwillig im Auslande lebenden Bayern vorzulegen und Vorlagen für eine General-Amnestie zu unterbreiten. Ich will nicht, lauten die wahrhaft königlichen Worte, daß auch nur ein einziger Bayer gezwungen sei, fern von seiner Heimat zu leben. Gegen mich hat keiner gefrevelt und mein höchstseliger Vater bittet jetzt gewiß in höheren Regionen für jene, die ihm Unrecht taten und ihn verkannten.

Aus dem “Füssener Blatt” vom 20. April 1864

Selbst die Hofbeamten sprachen dem Grünspund auf dem Thron ihre Anerkennung aus: Düfflipp lobte ihn für seine Auffassungsgabe, seine hervorragendes Gedächtnis und seine konzentrierte Arbeitsweise. Zudem fiel seine gute Menschenkenntnis auf. Auch andere äußerten sich durchaus sehr positiv. Dazu gehörten auch ausländische Gesandte. Vom Volk einmal ganz abgesehen, das ganz benebelt schien von seinem schönen König. Bereits am 27. März 1864 berief Ludwig erstmals den Landtag ein. Sämtliche Abgeordnete wurde hier zur königlichen Tafel eingeladen. Für die politischen Hänftlinge, die wegen ihrer Beteiligung an den Unruhen 1848/49 beteiligt waren, erließ Ludwig eine Genaralamnestie. Bereits am 3. Juni 1864 begann Ludwig II. mit seiner ersten Baumaßnahme in der Münchner Residenz. Dabei wurde der “Nibelungengang” angelegt.

Außenpolitisch machte Ludwig zunächst auch eine gute Figur. In Bad Kissingen, auf bayerischen Hoheitsgebiet, begrüßte er im Juni 1864, Kaiser Franz Joseph I. von Österreich nebst Gemahlin Kaiserin Elisabeth, die Ludwig sehr verehrte, und das russische Zarenpaar Alexander I. und Maria Alexandrowna.

Entgegen aller übler Nachrede späterer Zeit verrichtete Ludwig seine Regierungsgeschäfte mit Eifer. Dies tat er fast bis zu seinem Ende, auch wenn er sich schon frühzeitig aus der Residenz München fernhielt und lieber vom Lande aus regierte. In dieser Abgeschiedenheit mied er zwar den persönlichen Kontakt zu Ministern und Diplomaten, doch erledigte er seine Geschäfte und Korrespndenzen zumeist zeitnah, oft persönlich, wobei er seine Post ausführlich studierte und kommentierte.

Rat der Minister und repräsentative Aufgaben

Gerade in seinen ersten Regierungstagen suchte Ludwig oft den Rat seiner Minister. Täglich musste einer der Minister Vorträge halten, denen Ludwig mit großer Aufmerksamkeit folgte. Mit seinen Ministern besprach er auch das Tagesgeschäft. Ludwig soll sich oft erkundigt haben, wie sein Vater die Angelegenheiten zu entscheiden pflegte. Ohne Ludwigs Zustimmung durfte im übrigen nichts passieren. Die Minister hielt er so an der kurzen Leine. Sein Großvater Ludwig I. hatte dies zu seinen Zeiten ebenso gehandhabt.

Ludwig II. befasste sich intensiv mit Vorgängen zur Innen- und Außenpolitik. Klatsch und Tratsch vom Hof interessierten ihn wenig. In diesen Jahren war seine Scheu vor der Öffentlichkeit noch nicht so stark ausgeprägt wie zu späteren Zeiten. So nahm er auch repräsentative Aufgaben war. Er zeigte sich beim Oktoberfest, bei dem er in einer prunkvollen Kutsche vorfahrend von der jubelnden Masse empfangen wurde. Er nahm an der Fronleichnamsprozession teil und besuchte Kirche, Theater und Konzerte. Doch als Herrscher über Bayern hatte sich Ludwig II. auch mit widerstrebenden Meinungen auseinanderzusetzen. Die kamen aus dem Lager der Minister und Beamten. Das kann aufreibend sein. Und das schien ihm nun wirklich wenig zu schmecken.

Das leidige Spiel um die Macht

Die Bürokratie hatte sich im 19. Jahrhundert so fortentwickelt, dass sie recht autonom vom herrschaftlichen Einfluss bestehen konnte, wenn es sein sollte. Dieser Macht sah sich auch Ludwig II. gegenüber. Bayern war eine konstitutionelle Monarchie. Ludwig wurden durch die Verfassung Schranken gesetzt. Dies war Ludwig ein Dorn im Auge und der Jungspund äußerte Ideen, diese Gewalten einzudämmen. Und natürlich versuchten auch die Minister, ihren Einfluss auszuweiten und sich den unerfahrenen König willig zu machen.

Bereits im Oktober 1864 nahm Ludwig die erste Umbesetzung des Ministerratspostens vor. Er ersetzte den scheinbar schon lange unleidigen Ministerratsvorsitzenden Karl Freiherr von Schrenck durch Ludwig Freiherr von der Pfordten, der unter seinem Vater bereits einmal dieses Amt begleitete. Auch wenn Ludwig II. mit von der Pfordten zwischenzeitlich ein recht enges Verhältnis pflegte, distanzierte sich der König zunehmend. Vor allem war er dessen ständige Ermahnungen leidig. Ludwig II. wollte die Geschicke seines Landes allein entscheiden. Er wollte keine von Fremden gelenkte Marionette auf dem Königsthron darstellen.

Zunehmende Distanzierung

Dies war sicher ein weiterer Grund dafür, dass er sich zunehmend dem Rat der Minister entzog. Auch örtlich schaffte er Dinstanzen. Bereits 1865 hielt sich Ludwig II. bevorzugt auf dem Lande auf. Nur noch gut zwei Monate dieses Jahres hatte er in der Residenz München verbracht. Deshalb und wegen seiner Beziehung zu Richard Wagner, den man wegen seiner revolutionären Vergangenheit und seinem scheinbar enormen Einfluss auf den König argwöhnisch beobachtete, stand Ludwig immer mehr in der Kritik. Auch seine “romantischen Schwärmereien” wurden nun negativ kommentiert.