Die Minister schmieden einen Regentschaftsplan für Prinz Luitpold

Staatsminister Johannes Freiherr von Lutz: Der Minister hielt sich im Amt für unersetzlich und war maßgeblich an der Planung und Ausführung des Regentschaftsplanes beteiligt, Fotografie von Franz Hanfstaengl
Staatsminister Johannes Freiherr von Lutz: Der Minister hielt sich im Amt für unersetzlich und war maßgeblich an der Planung und Ausführung des Regentschaftsplanes beteiligt, Fotografie von Franz Hanfstaengl

Das Unverständnis für die Lebensweise von König Ludwig II., dessen Weigerung zu einem Baustopp für seine Schlossprojekte, seine Weigerung zur Sparsamkeit im Umgang mit der Kabinettskasse und letztlich seine Anfeindung mit seinen Ministerien und seinem Kabinett wuchsen derart, dass man sich in München seit Anfang 1886 intensiv mit einer Regentschaft von Prinz Luitpold auseinandersetzt. Die Entmündigung von König Ludwig II. oder dessen Abdankung wäre eine notwendige Voraussetzung. Der König ist irre, spricht man immer lauter aus. Man zweifelt an seiner Regierungsfähigkeit. Die Idee, den König zur Abdankung zu zwingen, legt man rasch beiseite. “Regenschaftsplan = Entmündigung” ist die einfache Formel der Minister und dabei schlagen sie auch den Rat Bismarcks aus, während der König die Zweifel an seiner Regierungsfähigkeit weiter nähert.

Anfang 1886 kommt es zu geheimen Gesprächen zwischen Ministerratsvorsitzenden von Lutz und Prinz Luitpold, der nach der Primogeniturordnung der nächste regierungsfähige Thronanwärter war. Prinz Otto als direkter Thronfolger war zu diesem Zeitpunkt bereits seiner Geisteskrankheit verfallen. Luitpold versicherte, er würde im Falle seiner Regentschaft das derzeitige Ministerium beibehalten. Der ehrgeizige Lutz hielt sich selbst für unersetzlich und wollte sein Amt unbedingt sichern. Am 23. März tritt Lutz dann mit dem Professor für Psychiatrie Dr. Bernhard von Gudden erstmals zusammen. Ohne den König je untersucht zu haben hält der angesehene Arzt und Forscher den König für “originär verrückt”, seine Diagnose heißt schon vor dem Gutachten Paranoia. Nach hartem Ringen mit sich willigt Prinz Luitpold schließlich Mitte Mai 1886 ein, als Regent für König Ludwig II. einzutreten. Der Regentschaftsplan sieht die Entmündigung des Königs vor. Durch eine von den Ministern unterzeichnete Proklamation soll Luitpold sodann der Öffentlichkeit als neuer Regent mitgeteilt und der Landtag zur Zustimmung einberufen werden.

Reichskanzler Bismarck wird in die Pläne eingeweiht

Obwohl es sich um eine rein bayerische Angelegenheit handelte, wollten sich die bayerischen Minister auch bei Reichkanzler Otto von Bismarck versichern. Der bayerische Gesandte in Berlin, Hugo Graf Lerchenfeld-Koefering, tritt daher am 23. und 24. Mai 1886 zu zwei Gesprächen mit dem Reichskanzler über den bayerischen Regentschaftsplan zusammen. Bismarck bedauerte die Angelegenheit und den scheinbaren Gesundheitszustand von Ludwig II. zutiefst. Er unterstrich, dass eine Einsetzung der Regentschaft nur aus dringenden medizinischen Gründen erfolgen sollte. Zudem betonte er, dass es eine rein bayerische Angelegenheit sei und bleiben müsse. Auch der Schein einer preußischen Einmischung müsse man um jeden Preis vermeiden.

Was den Plan der Minister anging, empfohl Bismarck hingegen, die Sache der Bauschulden des Königs öffentlich vor den Landtag zu bringen. So könnte die Volksvertretung den Anstoß dazu geben, dem König gegebenenfalls auch die Regierung zu entziehen. Diese Lösung zog Bismarck dem Plan zur Entmündigung vor, die einen großen Schatten auf die Regentschaft von Luitpold werfen würde.

Doch die Minister halten an ihrem Plan zur Entmündigung fest. Sicher spielt dabei auch die Angst vor dem Verlust der eigenen Stellung eine Rolle, einerseits. Andererseits befürchtete man, die konservative Opposition im Landtag, die bei den Wahlen 1881 ihre absolute Mehrheit ausbauen konnten, könne dem König doch die benötigten Millionen gewähren und somit letztlich auch die Regierung in Gefahr bringen. Die Stütze der liberalen Regierung war einzig der König. Und der wollte die missliebig gewordenen Minister absetzen. So beginnt man, Material für das psychiatrische Gutachten zu sammeln und Personen aus dem Umfeld von Ludwig II. zu befragen.