Die Wohnung des Königs

Arbeitszimmer des Königs auf Schloss Neuschwanstein, kolorierte Fotografie von Joseph Albert, 1886
Arbeitszimmer des Königs auf Schloss Neuschwanstein, kolorierte Fotografie von Joseph Albert, 1886

Wie kaum ein anderer Herrscher hatte König Ludwig II. sein Schloss – Neuschwanstein – auf Umwelt und Innenleben der eigenen Person zugeschnitten. Die Burg war sein privates Refugium. Gerade auf die Gestaltung der Säle und der Wohnräume übte Ludwigs II. daher schöpferischen Einfluss aus. Dabei befasste er sich mit den gestalterischen Details, äußerte Änderungswünsche, korrigierte die zahlreichen Entwürfe und ergänzte nach seinen Ideen. Er war das Herz dieser Schöpfung. Den Räume wies er so eine ganz persönliche Note zu. Die Räume seiner Wohnung wurden noch zu Ludwigs Lebzeit fertiggestellt und von ihm bewohnt.

Räume, Sagen und Gemälde

Die Wohnung Ludwigs II. befindet sich im dritten Obergeschoss des Schlosses im östlichen Trakt des Palas. Acht Wohnräume und weitere kleinere Nebenräume gehören zu der Wohnung. Die Größe der Räume entspricht dabei eher modernen Raumgewohnheiten, denn die Burg als der private Rückzugsort Ludwigs hatte eigentlich keinen staatsrepräsentablen Charakter, worauf Ludwig wohl auch keinen Wert legte. In der Ausstattung der Wohnräume wird immer wieder der Bezug zu den die Grundidee Neuschwansteins tragenden Sagen gesucht, insbesondere zur Gralslegende Eschenbachs. Das Bildprogramm der Wandgemälde aus dem Sängersaal wurde in den Wohnräumen wieder aufgegriffen und durch Szenen aus anderen Sagen erweitert – wie beispielsweise aus Tristan und Isolde. Hinzu kommen Wandgemälde, in denen die Geschichte des Minnesängers Walter von der Vogelweide und das Leben am Eisenacher Hof samt Sängerkrieg erzählt wird.

Raumplan

Raumplan der Wohnräume, Neuschwanstein
Raumplan Wohnräume, Quelle: Königsphantasien – Eine Wanderung zu den Schlössern König Ludwigs II. von Bayern, 1881: Treppenturm; 2: Korridor; 3: Vorzimmer; 4: Speisezimmer; 5: Schlafzimmer; 6: Oratorium; 7: Ankleidezimmer;
8: Wohnzimmer; 9: Grotte; 10: Wintergarten; 11: Arbeitszimmer; 12: Dienstzimmer; 13: Thronsaal
(Hinweis: Die Reihenfolge unterscheidet sich von der Reihenfolge der Führung durch das Schloss)

 

Stil und Wechselspiel der Farben

Betritt man die Zimmer der königlichen Wohnung erhält man von Raum zu Raum einen anderen Farbeindruck. Dabei ist die Farbgebung auf gegensätzliche Wirkung abzielt:

  • Arbeitszimmer: Grün und Gold,
  • Wohnzimmer: Blau und Silber,
  • Ankleidezimmer: helles Violett,
  • Schlafzimmer: Lapislazuli-Blau und Gold,
  • Speisezimmer: Weinrot und Gold.

Die Räume wurden allesamt im romanischen Stil ausgestaltet. Ausnahme bildet dabei das Schlafzimmer, der Ort, an dem Ludwig II. in der Nacht zum 12. Juni 1886 festgenommen wurde. Das Schlafzimmer wurde im gotischen Stil augestattet und verleiht diesem Raum somit eine herausragende Stellung unter allen anderen.

 

Je weiter wir die Gemächer durchschreiten, je mehr wir in die Einzelheiten eindringen, je mehr wirkt auch die Vereinigung aller Teile zu dem großen, immer herrlicher wachsenden Gesamtwerk mit jener Gewalt auf die Seele, die der echten, reinen Kunst innewohnt. Aus der sinnlichen Welt werden wir hinausgehoben in ein Zauberreich der Ideale. Wir gehen hin durch alle Pracht, wir meinen, es könnte gar nicht anders mehr sein, wir sind so heiter, so zufrieden, die Seele, so schmerzlich oft an ihr Gebundensein erinnert wird, fühlt sich frei und leicht wie in ihrer eigentlichen Lebenslust – und erste, wenn wir in den Sonnenschein draußen zurückkehren, ins allgewohnte Daseinsbild, merken wir, dass wir geträumt haben, schön und seelig von einem großen Glück.

Adolph Graf von Westarp, 1887

Bilder aus der Wohnung – Kolorierte Fotografien (etwa 1900)