König Ludwig II., Würdigung als Regent – Eine kompakte Zusammenfassung

Portrait Ludwig II. von Bayern als junger Regent

Man hat König Ludwig II. von Bayern viel Unrecht getan durch die Behauptung, er hätte seine Aufgaben als Regent vernachlässigt. Diese einseitige und letztlich falsche Behauptung war aber neben den Privatschulden des Königs eines der Hauptargumente für seine Entmündigung. Leider wirkt diese üble Nachrede auch bis heute noch nach. Genauer betrachtet, kann man nämlich diese Behauptung ausschließlich auf die Wahrnehmung seiner repräsentativen Aufgaben beziehen. Zunehmend ließ er diese öffentlichen Termine von anderen Mitgliedern der königlichen Familie begleiten und entzog sich der Öffentlichkeit schließlich gänzlich. Freilich ist das nicht ganz unerheblich. Doch ist dies nur die Spitze des Eisbergs, der zu einem großen Teil die Wahrnehmung seiner alltäglichen Regierungsgeschäfte ausmacht. Bei der Bewältigung seiner alltäglichen Regierungsarbeit kann nicht die Rede von Vernachlässigung sein, wie die zahlreichen Akten bezeugen, ganz im Gegenteil.

Regierungstätigkeit von König Ludwig II.

Wie viele Monarchen legte König Ludwig II. in seinem regierungstätigen Wirken sein Augenmerk auf besondere Aspekte: Er war ein Friedensfürst, er sorgte sich um die sozialen Verhältnisse seiner Untertanen, förderte insbesondere Kunst und Wissenschaft, war karitativ freigebig und war trotz aller industrieller Entwicklungen um den Erhalt der Natur bedacht. In seiner Regentschaftszeit wurde der allgemeine Lebensstandard in Bayern beträchtlich angehoben.

Bayern war seit 1818 eine konstitutionelle Monarchie. Durch die bayerische Verfassung werden seit dem die Befugnisse des Monarchen relativ stark beschränkt. Die Gesetzgebung nahm das Parlament gemeinsam mit dem König wahr. Die Einsetzung der Regierung und deren Entlassung oblag dem König allein, wovon er auch regen Gebrauch machte. Seine Aufgaben als konstitutioneller Monarch nahm er äußerst gewissenhaft vor. Er war fleißig und detailliert. Nachdem er 1864 den bayerischen Thron bestieg, hielt er sich noch relativ oft und lange in der Hauptstadt München auf. Hier gab es zunächst auch regen persönlichen Kontakt zu Ministern und Kabinett. Später zog er sich zunehmend auf die verschiedenen Wohnsitze auf dem Lande zurück. Doch egal, wo sich der König aufhielt, wurden ihm die Eingaben, Regierungsunterlagen und Akten durch Kuriere zugetragen, die er umgehend und gewissenhaft bearbeitete, kommentierte und wieder zurücksandte. Das war auch bei Auslandsaufenthalten so. Fast täglich wurden die berittenen Kuriere mit den Unterlagen nach München zurückgeschickt. Entgegen der späteren falschen Darstellungen hatte der König sein Land Bayern eben auch nicht hoch verschuldet, vielmehr konnte man während seiner Regierung ein beträchtliches Guthaben erarbeiten.

König Ludwig II. war sozialpolitisch engagiert

Wenn wir, die Arbeiter, in Deutschland einmal die Regierungsgewalt erringen werden – und wenn wir uns nicht von der konstitutionellen-monarchischen Staatsform trennen – können wir uns nur einen Deutschen König wie den jungen Ludwig II. vorstellen.

Ferdinand Lassalle, Begründer der SPD

Schon kurz nach seinem Amtsantritt verfügte Ludwig II., “daß jegliche übertriebene Sparsamkeit und Knauserei [seines Vaters] ende.” Die Besoldung seiner Hofbediensteten ließ er unverzüglich anheben – 10 Tage nach seiner Thronbesteigung. Während der Regentschaft von Ludwig II. sind die auf Anregung seines Vaters entstandenen Johannisvereine, die Aufgaben der Armenpflege wahrnahmen, in die Allgemeinen Deutschen Arbeitervereine übergetreten. Ludwig II. förderte die Vereine nicht unerheblich aus der königlichen Zivilliste, also mit seinem persönlichen Budget. Später ging aus diesen Arbeitervereinen die SPD hervor.

Ludwig II. gab Bismarck auch Anstöße, die Lage der Arbeiter und die Wohnfahrt in Deutschland zu verbessern. In einem Brief an den Reichkanzler vom 10. August 1881 heißt es: “Den bevorstehenden Wahlen sehe ich mit dem größten Interesse entgegen. Wenn sie auch nicht nach Wunsch ausfallen, so glaube ich doch fest daran, daß es Ihrer Beharrlichkeit gelingen wird, die finanziellen und wirtschaftlichen Grundlagen zu schaffen, welche notwendig sind, um die Wohlfahrt der deutschen Lande und insbesondere die Lage der Arbeiter auf eine befriedigende Stufe zu bringen; der ehrlichen Mitwirkung von Seiten meiner Regierung sind Sie gewiß.” Durch Bismarck wurde letztlich 1883 die Sozialversicherung ins Leben gerufen.

Daneben war Ludwig II. Schirmherr und Förderer von karitativen Vereinen wie dem Roten Kreuz und dem Tierschutzverein, er sorgte sich um die Armenspeisung und nicht zuletzt förderte er die Beschäftigung und den Wohlstand auf dem Lande nicht ganz unerheblich durch seine umfangreichen privaten Bauprojekte. Was bis heute nachwirkt! Selbst das Aufgabenspektrum des Georgiritterordens erweiterte er um karitative Tätigkeiten.

König Ludwig II. war ein Friedensfürst

König Ludwig II. haßte den Krieg. Er regierte in einer Zeit, in der die Preußen massive Anstrengungen unternahmen, die deutschen Verhältnisse unter ihrer Führung neu zu ordnen und dabei auch vor Krieg nicht zurückscheuten. Trotz aller Eigendynamik der Zeit, die 1870/71 zur Gründung des Deutschen Reiches führten, versuchte Ludwig II., gewaltsame Auseinandersetzungen durch Vermittlung “auf dem Gebiet des Rechts” zu verhindern. Als die Preußen 1866 gegen Österreich ausrückten, sah sich der friedliebende König persönlich in der Krise. Lieber hätte er abgedankt als den Befehl zur Mobilmachung seiner Armee zu erlassen. Auch vor dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 schickte Ludwig II. Gesandte nach England. Diese sollten die Großmacht für die Vermittlung zwischen den Streithähnen gewinnen. Dennoch war sich Ludwig II. dieser Dynamik bewusst und fügte sich schmerzlich, die eingegangenen Staatsverträge zu erfüllen. Militärparaden und vergleichbaren potentaten Demonstrationen waren ihm zuwider.

Bei allen Ereignissen war er dabei aber immer auf die Wahrung der Souveränität Bayerns bedacht. Dass er Souveränitätsrechte Bayerns an den deutschen Kaiser abtreten musste, schmerzte ihn zutiefst. Nicht zuletzt ist hierin auch sein gesteigerter Preußenhaß zu begründen, dieser kalt die deutschen Staaten vereinnahmende Militär- und Beamtenapparat befremdete ihn. Gegenüber Bismarck, den er sehr achtete und im regen Schriftverkehr mit ihm war, wurde Ludwig II. bis zum Schluss nicht Müde anzumerken, das förderative Prinzip des Deutschen Reiches beizubehalten, das den einzelnen Staaten im Bunde (beschränkte) Selbständigkeit sicherte und dachte dabei selbstverständlich nur an sein Bayern.

Auch der Friede unter den Religionen wurde von König Ludwig II. gefördert. Auf seine Initiative wurde die Gleichstellung der christlichen Kirchen und der Juden vorangetrieben.

König Ludwig II. – Förderer von Kunst, Wissenschaft, Bildung und Kultur

Alle Welt weiß, dass König Ludwig II. maßgeblichen Anteil am Werk von Richard Wagner hatte. Ohne die Förderung von Ludwig II., der den Komponisten 1864 aus bitterer Not rettete, wären weltberühmte Schöpfungen Wagners wie “Der Ring des Nibelungen”, “Parzival” oder “Tristan und Isolde” nie entstanden, nie vollendet worden. Wäre es zum Bau des Wagner-Festspielhauses in München gekommen, München hätte sich damals schon zu einer Weltkulturmetropole entwickelt. Das kam aber anders. Das Haus wurde in Bayreuth erbaut, aber auch hier konnte der König durch seine private finanzielle Zuwendung dessen Errichtung sicherstellen. Nicht nur Wagner förderte Ludwig II. persönlich, sondern das Theater allgemein. Er wurde auch als “Theaterkönig” bekannt. Er förderte den Einsatz von modernen Technik, um die Illusion auf der Bühne zu perfektionieren, und gab auch persönlich Anregungen für Inszenierungen und deren Gestaltung. Das Theater in Bayern erreicht unter Ludwig II. eine gewaltige Qualität. Auch den bildenden Künsten nahm sich der Monarch an. Er ließ die Akademie der Bildenden Künste in Schwäbing errichten, förderte das Künstlerhaus und nicht zuletzt wurden bei all seinen Bauprojekten eine Vielzahl von – oftmals aus Bayern stammenden – Malern, Bildhauern, Kunsthandwerkern und anderen Künstlern mit Aufträgen versorgt.

Ähnliches ließe sich auch über seine Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur besagen. Wissenschaft und Fortschritt waren ihm wichtig. Hier trat er in die Spuren seines Vaters. Unter Ludwig II. wurde in Bayern der erste deutsche Lehrstuhl für Hygiene eingerichtet. Ganz privat nutzte er für seine Grotte im Linderhof die eben erst von Siemens  erfundenen elektrodynamischen Maschinen. Sogar vom Fliegen träumte er realistisch, was man ihm als Indiz für seinen Wahn auslegen sollte. Auch das “Maximilianeum” in München geht auf Ludwig II. in nicht unerheblichen Maße zurück. Er greift die Idee seines Vaters auf, die besten Schüler des Landes unabhängig ihres Standes institutionell zu fördern – durch freie Kost, Logis und anderer Wohltätigkeiten. Den Bau des “Maximilianeums”, ein Name den Ludwig II. der Anstalt verpasste, ließ er beenden. Und am 21. August 1876 unterzeichnete er schließlich die Gründungsurkunde der Stiftung. Seit dem tut die Stiftung ihr Werk – ausschließlich für Bayern und linksrheinische Pfälzer.