Politische Hintergründe: Wie es zu Neuschwanstein kam

Schloss Neuschwanstein im Nebel – Foto: © Regina Mengel / Quelle: wikicommons
Schloss Neuschwanstein im Nebel – Foto: © Regina Mengel / Quelle: wikicommons

Schon wenige Jahre nach seinem Amtsantritt wurde Ludwig II. der Aufenthalt die Residenz München unausstehlich. Es war die Stadt seines Großvaters Ludwig I., der München mit seinem Bauwerken und der Ludwigstraße wie kaum ein anderer mit einem griechischen Flair prägte. Und es war die Stadt seines Vaters König Maximilian II., dessen Maximilianstraße im Stil der Neo-Renaissance der Stadt eine weitere Note hinzufügte. Ludwig II. wollte sich hier mit einer eigenen Prachtstraße rechts der Isar verewigen, die an ihrem Ende durch ein Festspielhaus, das “Theater der Zukunft”, bekrönt werden sollte. Ursprünglich hatte er gar keine Schlossbauten geplant. Doch vom Hofe wurden ihm letztlich die Gelder für dieses Projekt verwehrt, was Ludwig II. zutiefst kränkte. So wurde München auch deshalb für Ludwig ein Ort, den er mied, wann er nur konnte. Seine Bauprojekte verlegte er ins Land, wo ihm der Hof schwerlich die Mittel verweigern konnte.

Doch auch seine erste große Niederlage auf der politischen Weltbühne 1866 muss dazu beigetragen haben. Bayern hatte im Bündnis mit Österreich den Krieg 1886 gegen das nach Expansion strebende Preußen verloren. Den Bayern wurde ein Schutz- und Trutzbündnis aufgezwungen. Im Kriegsfalle wurde Ludwig II. hierdurch die Verfügung über seine eigene Armee entzogen. Die Souveränität seiner Herrschaft war damit passé. In seinen Schlössern begradigte er diesen “Mangel” und manifestiert in ihnen letztlich seine neo-absolutistischen Herrschaftsansprüche und sein uneingeschränktes Königtum. Und Neuschwanstein sollte sein ganz privates “Festspielhaus” werden.