Den König verteidigen mit Schirm und Schimpf – Groupie Baronin Spera von Truchseß

Baronin Spera von Truchseß war geistig nicht immer voll zurechnungsfähig, könnte man sagen. Schon mehrfach war sie Patientin des Psychiaters Professor Bernhard von Gudden, eben jenem Arzt, der auch Prinz Otto von Bayern behandelte, der König Ludwig II. in einem Gutachten für wahnsinnig erklärte und nun mit der Staatskommission am 10. Juni 1886 vor dem Tor von Schloss Neuschwanstein vergeblich versucht, zum König vorzudringen. Die Entmündigung will man ihm verlesen und ihn für immer fortbringen. Stattdessen muss man den Schimpf der sonderbaren Truchseß auf sich nehmen.

Groupie von König Ludwig II.

Baronin Truchseß war spanischer Abkunft. Im Jahre 1839 in Petersburg geboren, hatte Esperanza von Sarachaga im Jahre 1862 den Freiherrn Friedrich Truchseß von Wetzhausen (1825-1894) geheiratet, der Bayern eine Reihe von Jahren am russischen Hofe vertrat. Nach dem Rücktritt ihres Gatten brachte das Paar den Winter in München zu, wo es ein ziemlich großes Haus besaß. Baronin Spera war eine harmlose, herzensgute, vornehme Dame, die gern einen größeren Kreis von Gästen um sich sah. Ihre zahlreichen Empfänge gehörten einige Zeit zu den beliebtesten der Hofgesellschaft und auch die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses besuchten ihre Feste um so lieber, als sie wußten, mit welch ganz besonderer Liebe und Verehrung sie zu ihnen allen aufblickte. Besondere Verehrung kam dabei Königs Ludwig II. selbst zu. Heute würde man sagen, die Truchseß war ein echter Fan, ja sogar ein waschechter Groupie. Denn sie suchte regelrecht die Nähe des Königs – nicht nur in Neuschwanstein.

Baronin Truchseß kommt dem König zu Hilfe

Eben jene Baronin Spera von Truchseß hielt sich gerade in Hohenschwangau auf, bewohnt ein Zimmer im Gasthof “Alpenrose” und macht bevorzugt Spaziergänge zu jenen Stunden, in denen der König seine Ausfahrten tätigt – quasi in der Nacht. Die Truchseß trachtet dabei nach Begegnungen mit dem Monarchen. Bei einem Spaziergang an dem genannten Tag, erfährt sie über die Anwesenheit der Staatskommission und deren Aufgabe. Sogleich macht sich die Baronin mit Schirm und Dienerin auf den Weg zum Schloss, um dem verehrten König zu Hilfe zu kommen. Durch ihre Gesellschaften und ihre zwischenzeitlichen Aufenthalte in der Irrenanstalt kennt sie sie alle! Sie erregt sich gewaltig über deren Illoyalität. Mit den Fingern zählt sie die Verbrecher ab, die dem König Übles wollen. 12 “Verräter” zählt sie und belegt jeden einzelnen mit einem Fluch.

Minister von Crailsheim ruft sie zu: “Nie wieder spiele ich mit Ihnen Klavier.” “Ihre Kinder müssen sich ja dereinst schämen”, beschimpft sie Graf Törring, der als Vormund von Ludwig II. bestellt war. Zwischendrin fordert die Truchseß die im Vorhof befindlichen Personen auf, in ein “Hoch” auf den König einzustimmen. Und was sie Graf Holnstein zuruft, wurde nicht überliefert. Der gibt keine Antwort darauf, heißt es, sagt aber: “Muss das Malefizweib jetzt auch gerade daherkommen!”