Der unmusikalische König

Bild des Kronprinzen Ludwig nach einem Aquarell von Rietschel, etwa 1850
Bild des Kronprinzen Ludwig nach einem Aquarell von Rietschel, etwa 1850

Musik war eine große Leidenschaft von König Ludwig II. Im engeren Sinne sogar nur die Musik Richard Wagners. Doch im Grunde genommen war der König musikalisch völlig talentfrei. Darüber berichten die unterschiedlichsten Quellen. Selbst Richard Wagner meinte, Ludwig II. sei ganz unmusikalisch und “nur mit einem poetischen Gemüt begabt”. Doch schon über den heranwachsenden Kronprinzen wird so berichtet.

Der Klavierlehrer Ludwigs II. muss, salopp gesagt, drei Kreuze in seinen Kalender gemacht haben, als der Prinz den Klavierunterricht aufgab. Der Lehrer hatte diesen Tag als “Glückstag” bezeichnet. Sein Schützling mangelte es einfach an Talent. In der Beherrschung eines Instrumentes hatte er es also nie weit gebracht. Als Zuhörer aber liebte er die Musik. Dabei war er besonders für Musik mit dramatischem Ausdruck empfänglich. Dass Ludwig II. ausgerechtet so auf die Musik Wagners stand, wollte der Geistliche Ignaz von Döllinger nun gar nicht verstehen, als er meinte: “Da er kein rechtes musikalisches Gehör besitzt, so weiß man sich diese Vorliebe nicht recht zu erklären. “Mehr des Textes als der Töne willen”, wollte der östereichische Gesandte Graf von Blome wissen. Der Dirigent Hans von Bülow wiederum bedauerte, dass sich Ludwigs “Tonempfänglichkeit” ganz auf die Wagnersche Musik konzentrierte und er sich sonst mit keiner anderen Musik wirklich beschäftigte.

Was die Musik angeht, hat es Ludwig II. seinem Volk und der Nachwelt dennoch ordentlich besorgt. Denn hätte er sich nicht dem vor die Hunde gekommenen Richard Wagner angenommen, wäre dessen Werk mit Weltruhm nie in diesem Umfang und seiner Schönheit erstanden. Selbst die Schweizer danken es Ludwig II. gern, wenn sie beim Alphornblasen auf dem Rüti an die nächtlichen Ausflüge des bayerischen Königs gedenken, wo er sich im Mondschein badend, Schillers Tell rezitieren ließ.