Ein Gedicht für den Kronprinzen von Großvater Ludwig I.

Ein Gedicht von König Ludwig I. zur Geburt seines Enkels am 25. August 1845

Ludwig I., König von Bayern bis 1848, Fotografie von Hanfstaengl, etwa1860
Ludwig I., König von Bayern bis 1848, Fotografie von Hanfstaengl, etwa1860
König Ludwig I. von Bayern hatte ein Schwäche für die Poesie. Eine Reihe seiner Gedicht wurde sogar in einem Band veröffentlicht. Zur Geburt seines Enkelsohnes, den späteren König Ludwig II. von Bayern schrieb er am 31. August 1845 ein Gedicht. Ludwig I. war beeindruckt von der Geburt seines Enkels am 25. August 1845. Am gleichen Tage und zur gleichen Stunde 59 Jahre zuvor erblickt er selbst das Licht der Welt. Diesen Zufall betrachtete er als schicksalhaft und göttliche Fügung. Auch deshalb bat er um die Änderung des Rufnamen des Märchenkönigs, denn Ludwig sollte eigentlich Otto gerufen werden. Selbst in seiner Taufmedaille ist der Name Otto eingeprägt worden. Das Gedicht erhielt Ludwig II. von Bayern als Geschenk zu seinem 18. Geburtstag.

An den Erstgeborenen meines Sohnes Max

Sei mir willkommen, mein Enkel, Du dessen Name der meine,
Tag’ und Stund’ der Geburt, sie hast mit mir Du gemein.
Sei mir willkommen! ich rufe es laut aus der Tiefe des Herzens,
Wird von dem teutschen Sinn wirksam das Deine erfüllt,
Von dem Glauben der Väter, dem heiligen, welcher verbindet
Unzertrennlich das Volk mit dem beschützenden Thron.
Bist hingewiesen auf mich von dem Himmel, der Andere Ludwig,
Lebe in Dir noch fort, lebend schon lange nicht mehr.
Sink’ ich in’s Meer der Ewigkeit hin, erheb’ Dich ein Herrschen;
Aber es herrscht nur der, welcher sich selbsten beherrscht.
Dessen sei immer gedenk. Sei beglückend beglückt! Es umfaß’
Wie der Aether die Welt, so Deine Liebe das Volk!