Mündigkeitserklärung – Ludwig II. wird volljährig

Kronprinz Ludwig im Alter von etwa 18 Jahren
Kronprinz Ludwig im Alter von etwa 18 Jahren

Den 25. August 1863 feierte die königliche Familie auf Schloss Hohenschwangau. Es war Ludwigs 18. Geburtstag – der Tag, an dem er die volle Mündigkeit erlangte. Mit voller Mündigkeit erlangte er letztlich auch alle ihm zustehenden Rechte als Thronfolger von Bayern. Das hieß vor allem, er konnte ohne Vormund regieren, wenn es denn sein musste. Knapp einen Monat später, am 20. September 1863, leistete Ludwig den Verfassungseid zur Mündigkeit, den jeder Bayern beim Erlangen der Volljährigkeit leisten musste.

Sein Geburtstag war ein herrlicher Tag, der er mit Angeln begann und mit Literatur vom Feinsten fortsetzte. Der Fang war gut. Ein Hecht von 9,5 Pfund biss an. Gratulanten zollten ihren Tribut und überreichten Geschenke. Abends erstrahle das Schloss im Schein bengalischer Fakeln, während die Füssener Liedertafel Gesänge zum Besten gab. Seine Mutter stand stolz neben Ludwig auf der Freitreppe und lauschte der Huldigung ihres Sohnes. Zu diesem Ehrentag erhielt Ludwig viele Glückwünsche und Geschenke. Auch sein Großvater, König Ludwig I. von Bayern, hatte ihm ein Gedicht übersandt, das diese zur Geburt seines Enkels verfasst hatte. Seinem Großvater berichtet Ludwig II. letztlich auch die Ereignisse des Freudentages in einem Brief:

Lieber Großvater!

Für Ihren lieben Brief und die guten Wünsche sowie für das schöne Gedicht, wodurch Sie mir eine große Freude bereitet haben, spreche ich aus dem Grunde meines Herzens meinen innigsten Dank aus. Am Festtage selbst war das Wetter herrlich; ich stand schon um ½ 5 Uhr auf und fischte. Sogleich fing ich einen herrlichen Hecht von neun und einem halben Pfund. Später erhielt ich viele Beglückwünschungen und Geschenke: ein Bild aus der Allerheiligenkirche, Bilder nach den Nibelungen von Schnorr, eine Nadel mit einem Schwan, ein Buch über Faust und über die Werke von Shakespeare und andere. – Es kam eine Deputation aus München, welche auch zur Tafel geladen wurde. Nachmittags fuhren wir zum Schweizerhause, abends war Beleuchtung. Die Mutter dankt herzlich für Ihren Brief und küßt die Hand; sowie Otto. Wie freue ich mich, Sie, lieber Großvater, recht bald in bestem Wohlsein wiederzusehen! Indem ich Ihnen die Hand küsse, verbleibe ich mit inniger Liebe Ihr dankbarer Enkel


Dienstag, 25. August, Volljährigkeitstag – Wonne ihn hier zuzubringen! – Stand um ½ 5 auf, dann auf d. Dach, fischte im Alpsee, las in d. Abschiedsrede, im Buch über Faust, im Ringe d. Nibelungen, man schoß, schon frühe, freudig frohlockten die Berge, Wetter war herrlich, hehr strahlend, sterngleich die glänzende Sonne, Hecht von 9 ½ Pfund, Geschenk des Alpsees, dann 2 ½ Pfund, fischte bis über ¼ über 7 Uhr, Gratulationen, erhielt v. Grafen Löwenkopf, von Orff Einschreibbuch, Fr. v. Leonrod auch, dann Gedichte, von Tante Auguste, Mappe mit Schwind’s 7 Raben, von der Mutter, erhielt v. d. Eltern, letzten Kuchen, 18 Lichter, leider die letzten Leuchten! – Tasse, Bilder, Tintenfaß, Nadel mit Schwan, Uhr, Besteck, die Stalleute gratulirten, zuletzt von Ihnen die kleinen, von mir erwünschten Engel, Frühstück im Garten, Kirche, Volk, gute Leute! – Chokoladenfrühstück Altane, v. d. Damen Bücher, über Shakespeare, Buchzeichen, Gratulationen Lakaien, Jungfern, später Kammerfrauen, Offizianten, Steininger, Kolb, Düflieb, Schleiß, Bergmann, Gfrn. Maldegem, Riedel, Mund, 11 Uhr Füßner im Heldensaal, Bad, v. Otto Bücher, Vasen, Tasse, ½ 2 Uhr die Münchner Deputation, Steinsdorf, noch 8, Steinsdorf, Ackenrod, Nöhrung, Dominik sagte, ich wollte mich d. Reigens d. Ahnen würdig machen, u. für Münchens Wohl sorgen, – Tafel, d. Herrn, auch Steiniger u. Schleiß bei Tisch, Alle munter, dann bald darauf ins Schweizerhaus, ritt Belisar, Schweizerhaus beleuchtet, zurück, Mondschein, mild u. schön mit schimmerndem glitzerndem Glanze. – Stall sehr schön beleuchtet, die Leute so gut! Souper, noch auf d. Dach, Mondschein magisch, Wonne …

Tagebucheintrag von Ludwig II. am 25. August 1863