Biographie König Ludwig II. von Bayern: 1845 bis 1869 – chronologischer Überblick, Teil 1

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In unserem chronologischen Überblick stellen wir die wichtigsten Ereignisse aus Politik im In- und Ausland, von Bauprojekten, aus dem Theater und von der Entwicklung und dem Privatleben von König Ludwig II. dar. Die ersten Jahre seines Lebens sind von einer recht strengen Erziehung geprägt, die sich größtenteils abgeschieden von der Öffentlichkeit vollzieht. Schon früh zeigen sich die Wesenszüge des “schwärmerischen” Prinzen, der einen Hang zu Literatur und – zunächst spielerisch – zur Baukunst entwickelt. Er genießt eine schulische Ausbildung im bürgerlichen Sinne. Durch lange Sommeraufenthalte auf dem Lande, hat Ludwig intensive Naturerfahrungen und macht in Hohenschwangau auch die Bekanntschaft mit der Sagenwelt des Mittelalters.

1845

25. August Kurz nach Mitternacht wird Ludwig in Schloss Nymphenburg geboren. Sein Vater ist der bayerische Kronprinz Maximilian, seine Mutter ist Marie, eine geborene Prinzessin von Preußen. Sein Rufname soll zunächst Otto sein. Auf Bitten des Großvaters König Ludwig I., der am gleichen Tag etwa zur gleichen Stunde geboren wurde, wurde der Rufname auf Ludwig geändert.
26. August Taufe in Schloss Nymphenburg. Der Prinz wird auf den Namen Ludwig Otto Friedrich Wilhelm von Bayern getauft. Taufpaten
waren die Könige von Bayern, Preußen und Griechenland.
15. November König Ludwig I. von Bayern schafft den Titel “Erbprinz”. Hiermit soll die höhere Geburt des erstgeborenen Sohnes des Kronprinzen unterstrichen werden. Ludwig trug den Titel bis zur Inthronisierung seines Vaters Max 1848.

1846

März/April Als Ludwig etwa acht Monate alt ist, erkrankt seine schwer vermutlich an einer Hirnhautentzündung und verstirbt. Ob sich Ludwig angesteckt hat, ist ungewiss. Er verfiel körperlich und zwar so schwer, dass man seinen nahe Tod befürchtete. Doch der Säugling erholte sich wieder.
Juli Ludwig wird seiner Erzieherin Sibylle Meilhaus übergeben, die ihn bis zum 1. Mai 1854 begleiten wird. Zu ihr entwickelt er eine tiefe Beziehung, die er lebenslang aufrecht erhält.

1848

20. März
König Ludwig I. von Bayern dankt unter dem Druck der Öffentlichkeit ab. Ludwigs Vater Maximilian II. steigt auf den Thron. Er trägt fortan den Titel des Kronprinzen.
27. April
Ludwigs Bruder Otto wird in der Residenz München geboren. Die Taufe des Prinzen findet zwei Tage später in München statt. Er wird auf den Namen Otto Wilhelm Luitpold Adalbert Waldemar von Wittelsbach getauft. Für Ludwig ist es der erste offizielle Auftritt.

1848–1860

Gemeinsam mit seinem Bruder Otto wächst Ludwig in der Residenz in München heran. Den Sommer verbringen sie in Nymphenburg, Hohenschwangau, Berchtesgaden und anderen Sommersitzen der Familie. Sie erfahren eine strenge Erziehung.
8. Oktober 1850 König Maximilian II. erwirbt die Roseninsel.
1851 In Schlosss Hohenschwangau wird die Wohnung für die Prinzen im Fürstenbau ausgebaut.
Mai 1854 Die Erzieherin Sibylle Meilhaus beendet ihren Dienst. Sie wird später Baronin von Leonrod. Für die Erziehung der Prinzen sind fortan der Generalmajor Graf Theodor Basselet de la Rosée sowie Baron Emil von Wulffen zuständig. Letzterer wird später durch Major Carl von Orff ersetzt.
18. Juni 1854 Die Prinzen Ludwig und Otto besuchen die Fronleichnamsprozession in Füssen.
1855 Die königliche Familie besucht Nürnberg. Das ist einer der wenigen Anlässe, bei denen die Prinzen Repräsentationspflichten ahrnehmen.
1856 Die Prinzen erhalten in München fortan humanistischen Gymnasialunterricht privat in der Residenz. Fächer: Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte, Französisch, Mathematik, Geografie, Religion, Zeichnen und Kunstgeschichte. 1858–1860: Klavierunterricht. Ab 1859: Fechten und Tanzen.
1. April 1856 Ludwig erhält Taschengeld und muss über die Verwendung des Geldes Buch führen.
1857 In Schloss Possenhofen findet Ludwig zwei Werke von Richard Wagner. Die Schriften “Das Kunstwerk der Zukunft” und “Oper
und Drama” beschäftigen den Kronprinzen sehr.
22. August 1857 Mit ihren Söhnen besteigt Königin Marie den Säuling.
28. Februar 1858 Erstmals wird in München Wagners “Lohengrin” aufgeführt. König Max II. verbietet seinem Sohn den Besuch, der die Vorstellung unbedingt sehen wollte.
23. Juli 1858 Königin Marie reist mit Ludwig und Otto nach Salzburg zum Besuch der Kaiserin Caroline.
27. September 1858 Ludwig erlebt den Festumzug zur 700-Jahr-Feier der Stadt München.
30. Januar 1860 Erster Besuch des Hoftheaters in München: Friedrich Schillers “Wilhelm Tell”. Danach besucht er häufig das Theater.
September 1860 Ludwig besucht die Passionsspiele in Oberammergau.

1861/62

2. Februar 1861
Im Hoftheater München erlebt Ludwig erstmals eine Wagner-Aufführung. Gegeben wird “Lohengrin”. Den Tag wird er lebenslang als Feiertag in Erinnerung behalten. Bereits 1858 hatte er den Wunsch geäußert eine Wagner-Aufführung besuchen zu wollen, was ihm seine Eltern damals noch abschlugen.
22. Dezember 1861
Erstmals besucht Kronprinz Ludwig eine Aufführung von Richard Wagners “Tannhäuser”.
25. August 1862 Kronprinz Ludwig wird zu seinem 17. Geburtstag in der Kirche St. Bartholomä am Königsee in den Hubertusorden aufgenommen. Der Orden ist ein bayerischer Hausorden.
Mit 17 Jahren besucht er erstmals die Universität München. Er hört Vorlesungen u. a. bei Johann Philipp von Jolly (1809–1884) in Physik, Justus von Liebig (1803–1873) in Chemie und Logik als auch Geschichte der Philosophie bei Professor Steininger. Die geplante Fortsetzung seines Studiums in Göttingen kommt nicht zustande, weil er 1864 den bayerischen Thron besteigen muss.