Graf Dürckheim und König Ludwig II. in Neuschwanstein – die letzten Stunden im Märchenschloss

Montage: Graf Dürckheim-Montmartin vor Schloss Neuschwanstein

Alfred Eckbrecht Graf von Dürckheim-Montmartin wurde zu einer Symbolfigur treuer Ergebenheit zu Ludwig II. In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni erhielt Dürckheim gleich drei Telegramme von seinem bedrängten König. Ludwig II. beorderte seinen Flügeladjutanten während der Vorfälle mit der Staatskommission nach Neuschwanstein. Als quasi letzter Getreuer stand er dem König noch für kurze Zeit zur Verfügung bis München den Grafen zurückbeorderte und mit der Anklage wegen Landesverrats drohte.

Der König und sein Adjutant – Die Bekanntschaft der beiden

Der König kannte Graf Dürckheim-Montmartin schon in den 70er Jahren als einen treuen, ritterlichen Offizier. Doch glaubte er, der Graf hätte schlechte Manieren. Dürckheim war eben kein Höfling, doch besaß er Intelligenz, Frische und eine gewisse sympathische Art. Ludwig II. wandte sich zunächst von ihm ab.

Albrecht wurde am 21. Juli 1850 als Sohn von Karl Graf Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin in Steingaden geboren. Sein Vater war königlich bayerischer Kämmerer. Seine Mutter Alexandrine, eine geborene Gräfin von Toll, war die Tochter eines königlich-russischen Generaladjutanten. Auf der Militärakademie zeigten sich schnell seine Begabungen. Er hat eine hervorragende Auffassungsgabe, besitzt scharfen Verstand, ist fleißig und strebsam und versprüht Ruhe und Übersicht. Seine Militärkarriere beginnt am 11. März 1870. Schnell wird er Unterleutnant, 1874 Oberleutnant im Infanterie-Leibregiment. In seinen früheren Zeiten war Dürckheim Adjutant des Prinzen Otto. Aber Otto fürchtete sich vor ihm. Von 1878 bis 1883 schließlich war Dürckheim-Montmartin Hofmarschall des Prinzen Arnulf, mit dem er größere Reisen unternahm.

Auf einer dieser Reisen lernte er seine Gattin kennen, eine sehr anmutige liebenswürdige junge Dame, Ururenkelin der Kaiserin Katharina von Rußland. Die Ehe mit ihr, Helene Pawlowna geb. Gräfin Bobrinska, wurde am 22. November 1881 in St. Petersburg geschlossen. In der Münchener Hofgesellschaft fasste Helene schnell Fuß, doch war sie von Allüren nicht frei. Hierdurch brachte sie ihren Mann wohl auch arg in Bedrängnis, als sie Annährungsversuche von Prinz Arnulf nicht entschieden genug zurückwies. Arnulf schien bis über die Ohren in die Gattin seines eigenen Hofmarschalls verliebt und schrieb er Briefchen. Als Dürckheim eines Tages einen Liebesbrief Arnulfs an seine Gemahlin abfing, brachte er seinen ganzen Unmut über die Angelegenheit frei heraus und forderte den Prinzen zum Duell mit gezogenen Pistolen. Die ganze Angelegenheit kochte dermaßen hoch, dass man auch König Ludwig II. einschaltete. Der ließ sich von Dürckheim-Montmartin die ganze Geschichte erzählen, befahl, wie nun zu verfahren sei, und berief letztlich den Grafen in seinen Dienst. (Die ganze Geschichte vom “Duell” in diesem Bericht.)

Ludwig nahm in der Folgezeit die Dienste Dürckheims oft in Anspruch. Für Schreibdienste war der Getreue gut zu gebrauchen und auch in der Schuldenangelegenheit war er tätig. Im Winter 1885 wurde er zu Bismarck entsandt und an ihn war auch das Handbillett des Königs vom 28. Januar 1886 gerichtet, das später in einem Kammerbericht veröffentlicht wurde, und das den Auftrag enthielt, Dürckheim möge zur Vertreibung des Gerichtsgesindels, das hätte Linderhof pfänden können, ein Kontingent aufbieten. Ludwig II. vertraute dem Grafen mehr als seinen Ministern und Kabinettssekretären.