Der Tod von König Ludwig II. von Bayern – Die rätselhafte Königskatastrophe

König Ludwig II. mit Professor von Gudden beim letzten Gang im Park von Schloss Berg, Gemälde von Perlberg, fotografiert von Stuffler
König Ludwig II. mit Professor von Gudden beim letzten Gang im Park von Schloss Berg, Gemälde von Perlberg, fotografiert von Stuffler

Nach einem ausgedehnten nachmittäglichen Diner, bei dem König Ludwig II. mit außergewöhnlich großem Appetit gespeist hatte, befiehlt der entmündigte Monarch Professor von Gudden zum abendlichen Spaziergang. Es ist Pfingstsonntag, der 13. Juni 1886. Um 18 Uhr 45 Minuten begeben sich die Spaziergänger in den Park – Schirmen und übergeworfenen Überziehern. Das Wetter ist trüb und regnerisch. Erst nach Mitternacht kehren die beiden zurück: Tot – als Leichen. Die Umstände des Todes von Ludwig II. sind – bis heute ungeklärt – ein ewig Rätsel geblieben.

Spaziergang am Vormittag – Ludwig II. ist lammfromm

Bereits am Vormittag waren Ludwig II. und Gudden zu einem Spaziergang in den Park aufgebrochen. Der König war überaus liebenswürdig und freundlich. Er geht auf Gudden ein. Wie an diesem Tage scheinbar alle, löcherte er den Arzt mit einer Unmenge an Fragen, die allesamt auf ein und dasselbe Thema abzielen: Will man ihn, den entmündigten, für irre erklärten bayerischen König, nun auch noch aus dem Wege schaffen? Nach wie vor wittert Ludwig II. ein Komplott. Der Gedanke will ihm einfach nicht aus dem Kopf. Der Pfleger Hack folgt den Spaziergängern im Abstand von 400 Schritt. Gudden gibt ihm ein Zeichen, sich noch weiter zurückfallen zu lassen. Unterwegs verliert er die beiden einige Male aus den Augen. Kurz nach 12 Uhr sind sie wieder zurück.

Später beim Mittag zeigt sich Gudden freudig verwundert, wie folgsam Majestät wäre. Grashey, Müller und Washington sind anwesend. Wunderbar gut hätte sich Ludwig II. in seine neue Lage eingefügt. Den abendlichen Spaziergang macht er mit dem König allein, traut er sich deshalb zu. Der Psychiater hat eine wundersame Wirkung auf seine Patienten, auf die er vertraut. Seine Kollegen bewundern ihn für diese Gabe. Dennoch warnt ihn sein Assistent Dr. Müller, er solle nicht ohne Aufsicht mit dem König ausgehen. Die Verstellungskunst des Monarchen ist bekannt. Den Sonnenkönig Ludwig XIV. verehrt er zutiefst, ihn, einem Meister der Täuschung, Vorbild Ludwigs II. Doch Gudden übergeht das mit einem Scherz und Dr. Müller ist beleidigt, weil ihn sein Chef vorführt.