Der Tod von König Ludwig II. von Bayern – Die rätselhafte Königskatastrophe

Spaziergang in den Tod

Es ist gegen 18 Uhr 45 Minuten. König Ludwig II. und Professor Berhard von Gudden treten aus dem Schloss. Man hatte sich für einen Spaziergang im Regen bekleidet. Der König trug einen Hut, der mit einer Diamantagraffe besetzt ist, einen Mantel, darüber einen Überzieher. Pfleger Mauder übergibt dem König einen Regenschirm. Vier Schritte geht Ludwig II. voraus. Auch Gudden hatte sich für den regnerischen Ausflug präpariert. Er wendet sich an den vorbeieilenden Pfleger und sagt für den König unhörbar: “Es darf kein Pfleger mitgehen.” Der Pfleger ist verwirrt über die ihm erteilten widerstrebenden Aufträge und berichtet dies Dr. Müller. Müller sagte nur: “Gut!” Nichts weiter. Und Mauder pfeifft den Pfleger Schneller zurück, der gerade ins Freie getreten war, um den Spaziergängern zu folgen. So folgte niemand den beiden nach, nur drei Gendarmen partroullieren in den weiträumigen Park, während der Gendarm Lauterbach Schlosswache hat – die Gendarmen hatte man über den Ausflug nicht in Kenntnis gesetzt. Später sollten sie aussagen, dass sie nichts Auffälliges gesehen oder gehört haben.

Da die anwesende Gendarmerie von dem Ausgange Seiner Majestät nicht verständigt worden war, ging ich wieder zurück in den Schloßhof und um den Wintergarten hinaus auf die öffentliche Fahrtstraße, in der Erwartung, dort einen Gendarmen zu treffen und demselben über den Ausgang Seiner Majestät Mitteilung zu machen; da ich dort keinen Gendarmen traf, nahm ich an, daß ohnehin einer auf dem Seeweg patroullieren werde, und ging wieder zurück zum Schloß; nach etwa zehn Minuten kehrte Gendarm Klier ebendorthin aus dem Park zurück, und zwar auf dem oberen Wege durch den Park; ich verständigte denselben, daß Seine Majestät mit Dr. Gudden in den Park gegangen sei und den Seeweg eingeschlagen habe, und begleitete sodann den Gendarmen Klier, welcher mit der Örtlichkeit noch nicht ganz vertraut war, bis zu dem Weg, welcher unterhalb des Hirschparks auf den Seeweg führt, und wies ihn dort zurecht; ich kehrte dann ins Schloß zurück, nach etwa ½ bis ¾ Stunden kam Klier ebenfalls dorthin zurück und teilte mir mit, daß er Seine Majestät nicht gesehen habe; ich bedeutete ihm, er solle noch mal in den Park gehen, er müsse Seine Majestät treffen; Klier kam nach etwa einer weiteren halben Stunde ungefähr ½ 9 Uhr neuerdings zurück, ohne Seine Majestät gesehen zu haben; mittlerweile waren die Ärzte wegen des langen Ausbleibens Seiner Majestät ängstlich geworden und hatten Lärm gemacht und wurde dann allgemeine Durchsuchung des Parks bestätigt. In der Zeit von 7 ¾ bis 8 Uhr sah ich drei bis vier Kähne mit mehreren Personen besetzt ganz nahe dem Ufer entfernt, den Park entlang gegen Leoni fahren; es war damals noch ziemlich hell und hatte es damals noch nicht zu regnen begonnen.

Gendarm Johann Lauterbach, Aussage über den Spaziergang von König Ludwig II. mit Dr. Gudden