Die Proklamation – Regierungsantritt von König Ludwig II. von Bayern

Ludwig II von Bayern wird Thronfolger von Maximilian II.
Ludwig II von Bayern wird Thronfolger von Maximilian II.

Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod seines Vaters trat König Ludwig II. von Bayern am 11. März 1864 die Regentschaft von Bayern an. “Der König ist Tod – hoch lebe der König!” heißt das Gesetz nach der Primogenitur-Ordnung, nach der Ludwig als Erstgeborener die Rechte und Pflichten seines Vaters erbte. Mit der königlichen Proklamation tritt Ludwig die Erbfolge an. Unterschrieben wurde sie auch von den damaligen Mitgliedern des Staatsrates.

Der neue König hatte zuvor vor dem versammelten Staatsrat den Eid auf die Verfassung geleistet. Justizminister von Mulzer verlas den in der Verfassungsurkunde Tit. X § 1 vorgeschriebenen Eid, den Ludwig mit erhobener rechter Hand nachsprach:

Ich schwöre, nach der Verfassung und den Gesetzen des Reiches zu regieren, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium

Seine Erwiderung war beseelt von königlicher Würde, Rührung und Herzlichkeit, so dass einige Staatsräte bis zu Tränen ergriffen wurden.

Der Allmächtige Gott hat meinen teuren, vielgeliebten Vater von dieser Erde abberufen. Ich kann nicht aussprechen, welche Gefühle meine Brust durchdringen. Groß ist und schwer die mir gewordene Aufgabe. Ich baue auf Gott, daß er mir Licht und Kraft schicke, sie zu erfüllen. Treu dem Eid, den ich soeben geleistet, und im Geiste unserer durch fast ein halbes Jahrhundert bewährten Verfassung will ich regieren. Meines geliebten Bayernvolkes Wohlfahrt und Deutschlands Größe seien die Zielpunkte meines Strebens. Unterstützen Sie mich alle in meinen inhaltsschweren Pflichten.

Der Text der Königlichen Proklamation

Wir Ludwig II. von Gottes Gnaden König von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, Franken und Schwaben etc. entbieten männiglich Unseren Gruß und Königliche Gnade zuvor! Nachdem der allmächtige Gott nach seinem unerforschlichen Rate und Willen den Allerdurchlauchtigsten, größmächtigsten König und Herrn Maximilian II., König von Bayern, Unseres vielgeliebten und hochverehrtesten Herrn Vaters königliche Majestät aus dieser Zeitlichkeit abgefordert hat und durch diesen hohen Todesfall das Königreich Bayern in der Gesamt-Vereinigung aller seiner älteren und neueren Gebietsteile nach den Bestimmungen der Verfassungsurkunde auf Grund der Staats- und Haus-Verträge Uns als nächsten Stammfolger nach dem Rechte der Erstgeburt und agnatisch linealen Erbfolge angefallen ist und Wir davon vollen Besitz ergriffen und die Regierung des Königreiches angetreten haben:

Wollen Wir Uns zu sämtlichen Angehörigen Unserer Erblande gnädigst versehen, daß sie Uns von an für ihren rechtmäßigen und einzigen Landesherrn so willig als pflichtmäßig erkennen, Uns unverbrüchliche Treue und unweigerlichen Gehorsam leisten und alle Pflichten gegen Uns als ihre von Gott verordnete Landesherrschaft erfüllen werden. Wir geben dagegen denselben zu erkennen, daß Wir den im Tit. X § 1 der Verfassungsurkunde enthaltenen Eid in der dort vorgeschriebenen Form bereits abgelegt haben! Damit der Gang der Staatsgeschäfte nicht unterbrochen werde, ist Unser Befehl, daß sämtliche Stellen und Behörden im Königreiche ihre Verrichtungen bis auf Unsere nähere Bestimmung wie bisher nach ihre Amtspflichten fortsetzen, die amtlichen Ausfertigungen von nun an unter Unserem Namen und Titel, wo solches vorgeschrieben ist, erlassen, bei der Siegelung aber sich der bisherigen Siegel so lange bis ihnen die neu zu fertigenden werden zugestellt werden, bedienen sollen.

Wir wollen alle Bediensteten an den von ihnen geleisteten Verfassungs- und Diensteseid besonders erinnert haben und versehen Uns gnädigst, Unsere sämtlichen Untertanen werden dieser ersten von Uns als ihrem angeborenen rechtmäßigen Landesherrn an sie gerichteten Aufforderung sich pflichtschuldigst fügen, wogegen Wir ihnen mit königlicher Huld und Gnade zugetan bleiben.

Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt München, den 11.3.1864
Ludwig.

Frhr. v. Schrenk, v. Zwehl, v. Neumayr, Frhr. v. Mulzer, v. Pfeufer, Lutz.