Der desinterssierte Vater – Beziehung Ludwigs zu seinem Vater Maximilian

Maximilian II. von Bayern – Foto: Franz Hanfstaengl
Maximilian II. von Bayern – Foto: Franz Hanfstaengl

Die Stunden mit seinen Eltern waren in Ludwigs Kindheit rar und gezählt. Besonders wenig Zeit verbrachte Ludwig mit seinem Vater Maximilian, der freilich oft von Regierungsgeschäften abgehalten wurde. Als König Ludwig I. am 20. März 1848 abdankte und sein Sohn Maximilian II. den Thron bestieg, war Ludwig gerade zweieinhalb Jahre alt. Fortan musste er noch mehr auf seinen Vater verzichten. Hinzu kamen langanhaltende Erholungsurlaube in Italien und Griechenland, die Maximilian von seiner Familie fern hielten.

Kurze und belanglose Treffen mit dem Vater

Allenfalls bei den Mahlzeiten mittags und abends sah er ihn. Selten war König Max II. in den Zimmern anzutreffen, in dem seine Söhne aufwuchsen. Er reichte ihnen nur kurz die Hand und empfahl sich schleunigst wieder. Anstatt sich mit seinem Sohn abzugeben, befasst Maximilian sich innerlich mehr mit anderen Dingen und sah eher durch seinen Sohn hindurch, wie Ludwig später berichten wird.

Harte Erziehungsvorgaben für die Söhne

Ludwig litt unter der harten und von Entsagung geprägten Erziehung, die Maximilian bei seinen Kindern durchsetzen ließ. Maximilian seinerseits bemühte sich wenig um einen Zugang zu seinem sensiblen und verträumten Sohn mit all seinen Eigenarten. Er setzte seine Vorstellungen von Erziehung unbarmherzig durch. So verfasste Maximilian beispielsweise einen Tugendspiegel und rationierte scheinbar auch das Essen. Über seinen Sohn tadelte Maximilian, besonders über Ludwigs Desinteresse an scheinbar allem, was mit seiner Vorbereitung als künftiger Herrscher über Bayern zusammenhängt. “Was soll ich mit dem jungen Herrn sprechen? Es interessiert ihn nichts, was ich anrege”, meinte Maximilian wohl einmal.

Max findet keine Beziehung zum Sohn

Die distanzierte Beziehung zwischen Vater und Sohn wird sich in der folgenden Zeit weiter fortsetzen. An seine zukünftigen Aufgaben wird Ludwig nur unzureichend heranführen. Wie aus der Erinnerung von Franz von Pfistermeister, dem langjährigen Kabinettssekretär zu entnehmen war, bereitete es König Maxviel Mühe, einen ältesten Sohn zu seinem Morgenspaziergang mitzunehmen. Er tat es nur einige Male, denn er wusste nicht, worüber er sich mit ihm unterreden sollte. Die unterkülte Vater-Sohn-Beziehung unterstrich Ludwig als 30-jähriger durch Bemerkungen in einem Brief an den Kronprinzen von Rudolf von Österreich: Sein Vater hätte ihn stets von oben herab behandelt, behauptet der König. Im Vorbeieilen hätte er ihn lediglich mit wenigen kalten Worten gewürdigt.