Die Erziehung Ludwigs – Schulzeit und Studienbeginn

Kronprinz Ludwig und Prinz Otto, 1861, Foto: Max Stuffler
Kronprinz Ludwig (rechts) und Prinz Otto, 1861, Foto: Max Stuffler

Der Historiker Karl von Heigel berichtet 1893 von der Erziehung Ludwigs und seines Bruder, dass man die Prinzen niemals ohne Aufsicht ließ. Sie mussten früh aus dem Bett, sollten fleißig lernen und bekamen schmale Kost. Und wenn sie Strafe scheinbar verdienten, wurden sie unnachsichtig bestraft und gezüchtigt. Für die Ausbildung von Ludwig II. – und später auch seines Bruders – waren ab Mai 1854 Generalmajor Graf Theodor Basselet de la Rosée, Baron Emil von Wulffen und nach diesem auch Major Carl von Orff zuständig. Der Tagesablauf der Kronprinzen war streng geregelt. Streng förderte der Generalmajor leider auch Ludwigs Hang zur Selbstverherrlichung und Hochmut. Den gewöhnlich Sterblichen sollte er mit Distanz und von oben herab begegnen. In der Tat sollte er gar nicht erst mit ihnen befassen und nicht mit ihnen reden. Sein Bruder Otto war das erste Subjekt, an dem Ludwig seine höhere Stellung “ausprobierte”.

Unterrichtet wie ein Volks- und später Gymnasialschüler

Auf Anweisung des Vaters wurde Ludwig zunächst wie ein Volksschüler unterrichtet. Der Lehrer Michael Klaß wurde ausgewählt und aufgefordert, den Kronprinzen gerade so auszubilden, wie es bei den Kinder der Bürger erfolgt. Königin Marie berichtet über Ludwig, er würde schnell lernen und hätte eine gute Auffassungsgabe. Doch er war nachlässiger und lernt nicht mit dem gleichen Eifer wie sein Bruder Otto.

Später erhielt er in München (ab 1856) humanistischen Gymnasialunterricht. Seine Lehrer kamen hierzu in die Residenz, wo er Privatunterricht genoss. Die Lehrer ließen ihn aufgrund seiner hohen Geburt oft gewähren, wenn sein Lernfleiß nachlässiger war. Er lernte Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte, Französisch, erhielt Mathematikunterricht, befasst sich mit Geografie, Religion, Zeichnen und Kunstgeschichte. Von den Sprachen war ihm das Französische besonders lieb. Sein Latein und Griechisch waren eher mangelhaft. Auch zur Körperertüchtigung wurde er bei Turnen, Schwimmen und Reiten angehalten. Von 1858 bis 1860 erhält er dreimal wöchentlich Klavierunterricht, zeigt sich hier aber nicht sonderlich begabt. Ab 1859 lernte er zudem Fechten und Tanzen. Auch eine militärische Grundausbildung erhielt Ludwig. Er wurde darin gebildet, wie eine Uniform zu tragen ist. Auch der Umgang mit Waffen wurde ihm gelehrt.

Liebe zu Literatur und Theater entfacht

Seine Liebe zur Literatur stellt sich schon frühzeitig ein. Bereits im Alter von 12. Jahren vertiefte er sich besonders gern in die prosaischen Schriften von Richard Wagner, den Künstler, den er vergöttern wird. Zu seinem 13. Geburtstag schenkt ihm Baron von Wulffen drei Bände Schiller. Nach Wagner ist Schiller Ludwig zweiter großer Held. 1858 schlägt ihm sein Vater die Bitte, das Theater zu besucht noch aus. Es wurde “Lohengrin” gegeben, das muss den Prinzen sicher gewurmt haben. Doch schon im darauffolgenden Jahr besucht er häufiger verschiedene Aufführungen und am 30. Januar 1860 erlebt er schließlich auch seinen ersten Besuch im Hoftheater Münchens, in dem Schillers “Wilhelm Tell” gegeben wurde.

Studienbeginn in München

Im Alter von 17 Jahren besuchte der Erbprinz die Münchner Universität. Er hörte Vorlesungen bei Johann Philipp von Jolly in Physik, Justus von Liebig in Chemie und Logik und Geschichte der Philosophie bei Steininger. Ursprünglich sollte er sein Studium in Göttingen fortsetzen. Auch sein Vater und sein Großvater hatten diese Universität besucht. Doch Ludwig musste unerwartet den Thron besteigen. Seine Ausbildung wurde dadurch abprupt beendet.

Zum 18. Geburtstag von Ludwig II. schreibt sein Erzieher Graf de La Rosée: “Der Kronprinz ist aufgeweckt und sehr begabt, er hat viel gelernt und besitzt schon jetzt Kenntnisse, die weit über das Gewünschte hinausgehen. Er hat eine reiche Phantasie, wie ich ihresgleichen noch selten bei einem so jungen Man angetroffen habe. Aber er ist auffahrend und äußerst heftig. Ein mehr als stark entwickelter Eigenwille deutet auf einen Eigensinn, den er vielleicht von seinem Großvater geerbt hat und der sich nur schwer wird meistern lassen.” Wenige Monate später wird dieser junge Mann König von Bayern. Und man wird sagen, dass ihn die meiste Bildung für dieses hohe Amt noch gefehlt hat.