Die “preußische Gebärmaschine” – Beziehung zwischen Ludwig und Königin Marie

Kühle Atmosphäre – Köngin Marie mit ihren Söhnen Kronprinz Ludwig (links) und Otto von Bayern
Kühle Atmosphäre – Köngin Marie mit ihren Söhnen Kronprinz Ludwig (links) und Otto von Bayern

Mehr Zuwendung als von seinem Vater, aber scheinbar doch ungenügend für seine Bedürfnisse erhielt Ludwig von seiner Mutter Marie. Sie liebte ausgedehnte Wanderungen und Ausflüge dergleichen. Die Liebe zur Natur gab sie an ihre Söhne weiter. Für Literatur, Musik und Kunst interessierte sie sich wenig. Im Theater befasste sie sich mehr mit dem Publikum in den Sitzreihen als mit dem Bühnengeschehen. Vielleicht findet sie auch deshalb wenig Zugang zu dem Herz des verträumten und schwärmerischen Ludwigs.

Franz von Pfistermeister, Kabinettssekretär unter ihrem Mann notierte in seinen Aufzeichnungen: “Auch die Königin verstand es sehr wenig, ihre Prinzchen an sich anzuziehen. Sie besuchte sie zwar häufiger in ihren Zimmern, wußte sich aber nicht mit ihnen abzugeben, wie Kinder es eben verlangen. Das zog die Söhnchen auch nicht an die Mutter.”

Mehr Zeit mit der Mutter verbrachten die Jungen in den Sommermonaten. Die Aufenthalte in den Sommerresidenzen waren ungezwungener. Die Mutter nahm ihre Kinder auf Bergtouren und Ausflüge mit. Ludwig suchte durchaus die Nähe zu seiner Mutter. Als Zeichen seiner Zuneigung kaufte er von seinem ersten Taschengeld für seine Mutter ein Medaillion. Unglücklicherweise wertete sie dies als ein Beweis für seine Verschwendungssucht.

Es gab durchaus Einigendes, das Ludwig und seine Mutter verband. Beide liebten Hohenschwangau. Doch während Ludwig die Abgeschiedenheit des Ortes bevorzugte, schien seine Mutter mit ihrem Bedürfnis nach Geselligkeit diesen Ort “zu entweihen”. Königin Marie war genügsam, Ludwig aber wollte das besitzen, was er liebte. Als seine Mutter zum katholischen Glauben konvertierte – im Jenseits wollte sie mit Maximilian vereint sein, brachte Ludwig wenig Verständnis dafür auf.

Zunehmend traten wohl die trennenden Aspekte von Mutter und Sohn in den Vordergrund. Als König schreibt Ludwig II. später: “Die Königin hat eine mir gegenüber sich äußernde, nur Ihr allein eigene höchst unsympathische Art zu sprechen. In ihrem ganzen Wesen, Ihren Blicken und Worten legt sie nicht selten ein gewisses Mißtrauen, einen hie und da sich zeigenden lauernden Argwohn an den Tag.” Später bezeichnet er sie sogar als “preußische Gebärmaschine” und betont dabei wahrscheinlich eher die “Maschine”.