Geburt und Namensgebung von Ludwig II. von Bayern

Die Eltern von Ludwig II.: Kronprinz Maximilian II. von Bayern und Prinzessin Marie von Preußen
Die Eltern von Ludwig II.: Kronprinz Maximilian II. von Bayern und Prinzessin Marie von Preußen

Schloss Nymphenburg bei München. Es ist der 25. August 1845. Gerade eine halbe Stunde nach Mitternacht ist es, als die Nacht zum Tag wurde und Ludwig II. von Bayern das Licht der Welt erblickte. Am selben Tag zur selben Stunde von 59 Jahren wurde sein Großvater geboren – König Ludwig I., der selbst der Geburt seines Enkels beiwohnte. Der König empfand diese Begebenheit als eine göttliche Fügung und ließ später den Rufnamen des Knabens ändern, der fortan Ludwig gerufen wurde.

Die Geburt

Ludwig II. ist der ältester Sohn von Kronprinz Maximilian von Bayern und Kronprinzessin Marie, Prinzessin von Preußen. Nach einer Fehlgeburt zwei Jahre zuvor setzten bei Marie in den Morgenstunden des 24. August gegen 4 Uhr die Wehen ein. Zwanzig Stunden plagte sie sich mit den Wehen, ehe sie Prinz Otto Ludwig Friedrich Wilhelm zur Welt brachte. Damit schenkte sie ihrem Mann und den Wittelsbachern einen Erben auf den Thron Bayerns. Ein unschuldige Knabe ist es. Seinen Zeitgenossen sollte er unverstanden bleiben. Seine Vorstellungen und seine Lebensweise widersprachen zutiefst den bürgerlichen Vorstellungen seiner Zeit. Seine politischen Überzeugungen unterschieden sich von den verstärkt demokratischen Tendenzen. Und für die kostspielige Förderung von unverstandener Kunst und von Schlossbauten, die niemand zu brauchen schien, erntete er harte Kritik.

Bei der Geburt wohnte auch König Ludwig I. bei, der über die einsetzenden Wehen alarmiert wurde und nach Nymphenburg kam. Beim Warten auf die Geburt wünschte er insgeheim, dass die Geburt erst am 25. August, seinem eigenen Geburtstag, stattfände. Der König hielt die Urzeit der Geburt mit seiner eigenen Uhr fest. Nach einer Nymphenburger Uhr war es 20 Minuten nach Mitternacht, die Uhr des Königs zeigte die 30ste Minute.

Namensgebung des Kronprinzen

Seinen Namen erhielt der Knabe von drei Paten: seinem Großvater Ludwig I., der amtierende König Bayerns, von seinem Onkel König Otto von Griechenland und von seinem Onkel König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Als Rufname wurde ursprünglich Otto festgesetzt. Otto war bei den Wittelsbachern ein Name mit Tradition. Setzte doch schon die Genealogie der Adelsfamilie mit einem Otto ein. Doch König Ludwig I. empfand die Geburt am gleichen Tag zur gleichen Stunde wie bei seiner eigenen als eine schicksalhafte Konstellation. Am 21. September 1845 erließ er letztlich den Befehl, ihn fortan Ludwig zu rufen. Um die Stellung des Erstgeborenen des bayerischen Kronprinzen aufzuwerten, verfügt der König am 15. November 1845 zudem, dass der Erstgeborenen künftig den Titel “Erbprinz” tragen soll. Ludwig II. von Bayern war somit der erstes Erbprinz des Staates. In der Chronik der Familie notierte Kronprinzessin Marie, die Geburt sei in München mit 101 Kanonenschüssen verkündet worden. “Nymphenburg wurde geziert und belichtet.”