Der König und der Komponist – Beginn einer unvergleichlichen Freundschaft

König Ludwig II. und Richard Wagner vereint in Schloss Neuschwanstein, Gemälde
König Ludwig II. und Richard Wagner vereint in Schloss Neuschwanstein, Gemälde

Als der 1,66 Meter große Wagner am 4. Mai 1864 erstmals vor den 25 Zentimeter größeren Ludwig trat, war Wagner von dessen Erscheinung tief bewegt. “Er ist leider so schön und geistvoll, seelenvoll und herrlich, daß ich fürchte, sein Leben müsse wie ein flüchtiger Göttertraum in dieser gemeinen Welt zerrinnen. Er liebt mich mit der Innigkeit und Glut der ersten Liebe: er kennt und weiß alles von mir, und versteht mich wie meine Seele. [...] Ich soll mein unumschränkter Herr sein, nicht Kapellmeister, nichts als ich und sein Freund”, schrieb Wagner am gleichen Tag noch an Eliza Wille. Ludwig II. bat Wagner darum, die Nibelungen zu vollenden. Für alle Kosten wollte der König aufkommen.

Seien Sie überzeugt, ich will Alles thun, was irgend in meinen Kräften steht, um Sie für vergangene Leiden zu entschädigen.

Ludwig II. an Wagner, 5. Mai 1864

Gleich am 5. Mai wendet sich der König in einem Brief an Wagner und versichert ihm seine persönliche Fürsorge, eine ganzheitliche Versorgung. All inclusive: Am Starnberger See, in der Nähe von Schloss Berg, mietete er für Wagner vorübergehend – bis zur Umsiedlung nach München – ein Landhaus, in dem Wagner arbeiten konnte, ganz in der Nähe von Schloss Berg. Sieht man von Geldgeschenken des Königs ab, die zusammen etwa 20.000 Gulden ausmachten, erhielt Wagner ein jährliches Gehalt von 4.000 Gulden, das Ludwig II. privat bezahlte. Im Dezember 1864 wurde das Gehalt sogar auf 5.000 Gulden angehoben. Ein Ministerrat erhielt da weniger!