Der König und der Komponist – Beginn einer unvergleichlichen Freundschaft

Pläne für das Theater der Zukunft

Als in München “Tristan und Isolde” aufgeführt wurde, das man noch in Wien als unspielbar erachtet bei den Proben abbrach, wurde die Aufführung und Wagner frenetisch gefeiert. Der König feiert die Aufführung überschwenglich. “Einziger! Heiliger!”, schreibt er Wagner noch am Tage der Aufführung, “Wie wonnevoll! Vollkommen. So angegriffen von Entzücken. … Ertrinken … versinken – unbewußt – höchste Lust. Göttliches Werk!” Gemeinsam ersannen die Freunde auch Pläne für ein “Theater der Zukunft”. Über dessen Ausführung aber war man sich uneinig.

Ich habe den Entschluß gefaßt, ein großes steinernes Theater erbauen zu lassen, damit die Aufführung des “Ring des Nibelungen” eine vollkommene werde; dies unvergleichliche Werk muß einen würdigen Raum für seine Darstellung erhalten; mögen Ihre Bemühungen in betreff tüchtiger dramatischer Sänger von schönem Erfolge gekrönt werden!

Ludwig II. an Richard Wagner, November 1864

Ludwig II. wollte in München ein Wagner-Festspielhaus errichten. Die Pläne hierzu erwähnte der König gegenüber Wagner erstmals Ende November 1864. Wagner wollte eine Versuchsbühne, in der junge Sänger ausgebildet werden sollten. Ursprünglich wollte man im Glaspalast in München mit einer solchen Versuchsbühne versehen. Doch Ludwig änderte seine Pläne und beauftragte Gottfried Semper, den Wagner empfohlen hatte, mit den Entwürfen des Münchner Festspielhauses, zu dem eine Prachtstraße hinführen sollte. Er wollte dem Werk Wagners ein Denkmal setzen.

Doch die sich so schnell und innig entwickelnde Freundschaft, in der auch zunehmend Schatten sich zeigten, sollte recht bald zu einem Problem für die Bayern werden. Denn Wagner war gierig. Er mischte sich in den Augen der Öffentlichkeit zu viel ein, auch in Regierungsgeschäfte. Er besaß zu fiel Macht über den blutjungen König. Zunehmend wurde er zu einer in Bayern unerwünschten Person und brachte immer mehr Leute gegen sich.