Falschmeldung von der Baustelle in Herrenchiemsee

Das Neue Schloss Herrenchiemsee in einer Zeichnung aus dem Jahre 1887
Das Neue Schloss Herrenchiemsee in einer Zeichnung aus dem Jahre 1887

Baustellen sind und waren immer eine Quelle für Gefahren jeder Art. Während wir heute aber doch umfangreiche Möglichkeiten zum Arbeitsschutz haben, war die Arbeit auf der Baustelle damals – trotz erster maschineller Unterstützung – Schwerstarbeit und Abenteuer. Gerade aus der luftigen Höhe fiel so mancher Arbeiter vom Gerüst in die Tiefe und fand den Tod. Von der Baustelle Neuschwansteins sind mehrere solcher Unglücksfälle bekannt. Doch so mancher Unfall wurde auch nur in der Gerüchteküche gekocht. Schloss Herrenchiemsee soll sogar ein Grab für über 100 Arbeiter gewesen sein.

Dies war ein besonders hartnäckiges Gerücht, das 1883 beim Bau des Neuen Schlosses in Herrenchiemsee seine Kreise zog und sogar bis nach Italien verbreitet ging. Angeblich wären beim Einsturz eines Baugerüstes auf dieser Baustelle über hundert Tote zu beklagen. Das Gerücht ging emsig durch die italienische Presse, da eine Vielzahl von Italienern auf der Baustelle beschäftigt waren. Durch die Falschmeldungen reisten sogar die Frauen einiger Bauarbeiter in Herrenchiemsee an, um nach ihren Männern zu sehen. Telegramme und Briefe liefen ein, in denen sich nach dem Unglück erkundigt wurde. War aber alles nur Kokolores! Der Gerüchte-Verbreiter jedenfalls wurde gesucht, um ihn ordentlich zu “entlohnen”.