Gar keine Wandgemälde geplant?

Die ersten Planungen sahen keine Wandgemälde in den Zimmern Neuschwansteins vor. Bilder wie die des freudig in Brabant erwarteten Schwanenritters Lohengrin hätte es so nie gegeben.
Die ersten Planungen sahen keine Wandgemälde in den Zimmern Neuschwansteins vor. Bilder wie die des freudig in Brabant erwarteten Schwanenritters Lohengrin hätte es so nie gegeben.

In einer frühen Planungsphase für Neuschwanstein waren gar keine Wandgemälde in den Wohnräumen geplant. Aber was wäre das Märchenschloss Ludwigs II. ohne sein phänomenales Bildprogramme? In einem Kommentar im April 1868 von Lorenz von Düfflipp, dem Kabinettssekretärs von Ludwig II., heißt es, dass die Zimmer nur mit Vertäfelungen aus Eichen- oder Lärchenholz und nicht mit Wandgemälden ausgestattet werden sollten. In den Planungen handelte es sich damals noch um ein recht bescheidenes Bauprojekt, das lediglich den Wiederaufbau der auf dem Schwanstein befindlichen Burgruine Vorderschwangau vorsah.

Erst einen Monat später wurde die Wartburg als verbindliche Vorlage ins Spiel gebracht und neue Entwürfe – in ganz anderen Dimensionen – für das Schloss angefertigt. Und natürlich hat sich damit auch die Frage der Wandgemälde gewandelt. Bereits im Sommer 1868 wurde letztlich Hyazinth Holland, ein Kunst- und Literaturhistoriker aus München, beauftragt, ein Programm für die Ausgestaltung der Innenräume zu entwerfen und Künstler für deren Ausführung vorzuschlagen.

Holland war ein akribischer Forscher und kannte die Kunst und Literatur seiner und vergangener Zeit wie kaum ein anderer. Sein Werk über die Altdeutsche Dichtkunst in Bayern besticht geradezu durch Informationsreichtum und Vollständigkeit. Ludwig II. wurde bei einer Sitzung bei dem Bildhauer Kaspar Zumbusch auf den Historiker aufmerksam gemacht, dessen Bücher zur deutschen Literaturgeschichte auch die Literatur des Mittelalters ausführlich behandelte. Bei einer Audienz 1864 unterhielt sich Ludwig II. lange und angeregt mit Holland über dessen Arbeit. Bei der Lektüre der Abhandlung Hollands stieß der König dabei auch auf die Passage, die sich mit dem Minnesänger Hiltbold von Schwangau, was er Holland auch freudig mitteilen ließ. Für Ludwig II. waren die Bücher eine Quelle großen Ausmaßes, was ihn letztlich zur Einbindung Hollands in sein Schlossbauprojekt veranlasste.