Widerspenstige Eigentümerin – Die Fotografie von der Decke im Hôtel de la Païva

Gemälde
Gemälde "Der Tag jagt die Nacht" von Paul Baudry, Deckengemälde im Hôtel de la Païva (Paris) – Foto: Binche / wikimedia.org

Im Arbeitszimmer in der königlichen Wohnung Neuschwansteins waren eine Reihe von Mappen zu finden, die Arbeitszeugnisse, Studien und Entwürfe der verschiedensten Künstler enthielten. Sie wurden auf Wunsch von Ludwig II. angefertigt, der sich gern in solchen Mappen verlor. Als solche sind sie auch als eine Ideensammlung für das Märchschloss zu verstehen. Dazu gehörten auch Fotografien von vorbildlichen Bauten und deren Inneneinrichtung. Manche Fotografie ließ sich dabei nur mit großen Aufwand beschaffen.

So auch eine Fotografie aus dem Hôtel de la Païva, das die Kurtisane Esther Lachmann führte, in Paris an der Champs-Élysées. Hier hatte es Ludwig auf eine Fotografie der Decke des Plais abgesehen. Die Decke enthielt das Gemälde “Der Tag jagt die Nacht” eines etwas aus den Fugen geratenen Olymps, das von Baudry gemalt wurde. Doch die Eigentümerin, die ihren Reichtum und ihren Rang einer Reihe von Eheschließungen zu verdanken hatte, verweigerte den Beauftragten jegliche Kopie ihrer schönen Räume. Ohne die ersehnte Fotografie reisten sie wieder ab. Fürst Chlodwig zu Hohenlohe, Botschafter in Paris, wurde sodann darum gebeten, sich dieser Sache anzunehmen. Dieser besuchte die Païva, wie Lachmann genannt wurde, in ihrem Etablissement und sorgte für Gerede: Man überlegte nämlich, welche politische Intrige wohl nun hier arrangiert werden sollte. Wie er es angestellt hatte, ist nicht bekannt. Aber der Botschafter war erfolgreich und überbrachte dem bayerischen König das ersehnte Lichtbild.