Arbeitsunfälle und Gefahren auf der Baustelle Neuschwansteins

Schloss Neuschwanstein als Baustelle: Beim Bau des Schlosses fanden mehrere Arbeiter den Tod. Fotografie von Ludwig Schrader
Schloss Neuschwanstein als Baustelle: Beim Bau des Schlosses fanden mehrere Arbeiter den Tod. Fotografie von Ludwig Schrader

Schloss Neuschwanstein war eine gewaltige Baustelle, auf der bis zu 300 Arbeiter und Künstler beschäftigt wurden. Auch wenn die neueste Technik zum Transport von Baumaterialien verwendet wurde, bleibt eine Baustelle auch immer ein Ort voller Gefahren. Und Arbeitsschutz war damals noch kein Thema. So sind auch auf der Baustelle in Neuschwanstein Opfer zu beklagen.

Der Tod auf der Baustelle

So waren bei der Aufstellung des Dachstuhles für den Palas Anfang 1880 zwei Tote zu beklagen. Am 24. Februar stürzte ein Zimmerergeselle aus Haag vom Dach in die Tiefe. Scheinbar einen Tag später fiel ein weiterer Zimmerer vom Dach. Das Füssener Blatt berichtet dazu: “Die Dachstuhlaufrichtung am kgl. Burgbau Hohenschwangau, die in einigen Tagen bewerkstelligt sein wird, hat leider noch ein Menschenleben gekostet. Gestern verunglückte daselbst einer der Zimmerleute, welche in München bei der Herstellung des Dachstuhles beschäftigt und zur Aufstellung desselben hierher gekommen waren, namens Moritz Mayr, derselbe ist nämlich bei der Wendung eines Balkens ausgeglitten und von der furchtbaren Höhe heruntergestürzt.”

Am 18. April 1884 stürzte auf der Baustelle ein Gerüst ein. Hierbei fand der Maurer Haberl den Tod. Der König ließ der Familie des Maurer unverzüglich 200 Mark zur ersten Unterstützung zukommen.

Schwer verletzt – ein nächtlicher Wegeunfall

Ein weiterer Zimmermann wurde am 24. März 1881 schwer verletzt. Allerdings war dies kein Arbeitsunfall im klassischen Sinne. Der Zimmermann befand sich nachts auf dem Weg in die Arbeiter-Unterkunft in der Nähe der Burg als ihm ein Windstoß den Hut vom Kopf riss. Im Bemühen, den Hut wieder einzufangen, stürzte der er eine rund 10 Meter hohe Felswand hinunter. Hier blieb er eine zeitlang bewusslos liegen und schleppte sich dann mit letzter Kraft in das nahe gelegene Restaurant.

Maler Hauschild bricht sich die Schulter

Auch das künsterlische Personal blieb nicht unverschont: Der Maler Wilhelm Hauschild stürzte bei der Arbeit an seinem letzten Bild des Siegfried-Zyklus’ im Korridor zur königlichen Wohnung vom Gerüst und brach sich die Schulter. Ebenso erlitt er eine schwere Gehirnerschütterung. Von den Folgen des Unfalls soll sich Hauschild nie richtig erholt haben. Er erlitt immer wieder Folgeerkrankungen.

Aigner wird wegen Neuschwanstein wahnsinnig

Die Arbeiten an Neuschwanstein sollen den Maler Joseph Aigner sogar in den Wahnsinn getrieben haben. Bei der Ausarbeitung seiner Tannhäuser-Bilder im Arbeitszimmer des Königs kam er zeitlich in Verzug. Der König bestand auf die Fertigstellung der Gemälde bis Ende 1881 und setzte die Künstler hierdurch arg unter Druck. Tag und Nacht sollen sie an ihren Werken gearbeitet haben. Als Aigner erkrankt, lässt der König Aigners Bilder von einem anderen Maler nach den Entwürfen Aigners fertigstellen. Hierüber hat sich Aigner sheinbar so aufgeregt, dass er darüber den Verstand verlor.

Bergrutsch ohne Unglücksfälle

1885 kam es auf der Baustelle Neuschwansteins sogar zu einem Bergrutsch, bei dem aber zum Glück niemand verletzt wurde. Am 26. April rutschte neben dem Torbau eine größere Felspartie samt Schlossfundament in die Schlucht. Bei dem Sturz in die Tiefe wurden viele Kubikmeter Fels, Mauer, Erdreich mitgenommen. Auch ein kleines Steinhäuschen am Rande der Pöllatschlucht fiel dem bergrutsch scheinbar zum Opfer. Die Pöllatschlucht wurde an dieser Stelle etwa fünf Meter breiter. Auch huete noch bemüht sich die Stiftung immer wieder um die Sicherheit der Grundmauern.