Das unvollendete Schloss des Märchenkönigs

Neuschwanstein - Blick in den oberen Schlosshof, etwa 1886 - Bild: Joseph Albert
Blick über den oberen Schlosshof von Neuschwanstein, etwa 1886 im Todesjahr von König Ludwig II., Fotografie von Joseph Albert

Ludwig II. hat Zeit seines Lebens sein Märchenschloss nie vollendet erblicken können. Die Bauarbeiten waren noch lange nicht fertig gestellt. Lediglich der Torbau und der Palasbau verdienen dieses Prädikat. Die Kemenade stand noch gar nicht und der Innenausbau war nur in den wichtigsten Bereichen beendet worden. Nach dem unerwarteten Tod des Königs 1886 wurden nur noch wesentliche Bestandteile des Schlosses ausgebaut – ein Kompromiss.

Maßnahmen nach dem Tod Ludwigs II.

Eine der größeren Maßnahmen nach dem Tod des Königs war der Bau der Kemenate. Diese stand 1886 noch gar nicht und wurde in vereinfachter Form ausgeführt. Auch das Ritterhaus wurde nur noch vereinfacht zum Abschluss gebracht. Dessen Galerie, der Verbindungsgang zum Palas, sollte ursprünglich von Säulen gesäumt werden, die als Bäume mit Kapitellen als Kronen gestaltet werden sollten. Abgeschlossen wurden auch die Baumaßnahmen am Viereckturm. Im 3. und 4. Obergeschoss des Palas waren die Räume und Säle fertiggestellt, doch die Korridore waren es noch nicht. Die Wandgemälde hier wurde (bis 1888) vereinfacht ausgeführt.

Was nicht mehr umgesetzt wurde

Sieht man von diesen Bautätigkeiten ab, gibt es doch einige Vorhaben, die letztlich unrealisiert blieben. Als ein Kernstück der Anlage gehört hierzu der Bergfried mit einer Schlosskapelle im Erdgeschoss. Der Berfried – als Hauptturm der Burg – sollte sich 90 Meter über dem oberen Hof erheben. Auch die südliche Verbindung zwischen dem Turmbau und der Kemenate wurde nicht mehr gebaut. Der obere Hof sollte einen Burggarten mit einer Terrasse und einem Springbrunnen beherbergen. Dies fiel ebenso dem Rotstift zum Opfer.

Auch wenn man es durchaus als programmatisch bezeichnen kann, wenn für einen Teil der Räume (noch gar) keine Nutzung geplant war, blieb doch im Innenausbau vieles ohne Abschluss. Hierzu zählt der Maurische Saal, der nur im Rohbau steht. Die Räume im 1. und 2. Obergeschoss des Palas wurde gar nicht oder nur spärlich ausgestattet. Dazu gehören Gästezimmer, aber auch ein Bankettsaal. Geplant war auch ein mittelalterliches Taufbad – das Ritterbad, das nicht mehr begonnen wurde.

Für die Besucher bleibt dennoch ein einmaliges Erlebnis, denen sich freilich das nicht Realisierte zum Großteil entzieht. Und so bleibt noch genügend zum Staunen und Bewundern, wenn auch der gut 30 minütige Ausflug in die himmlischen Gemächer eher einem Flügelschlag gleicht. Apropo Besucher: Bereits sechs Wochen nach dem Tod des Königs wurde das Schloss für Besucher geöffnet. Die Eintrittsgelder wurden für die Tilgung der imens hohen Schulden des Königs verwendet, der im Jahr 1899 schuldenfrei wurde!