Vor der Planung von Schloss Neuschwanstein – Geschichte einer Idee

Schloss Hohenschwangau – Foto: © Tobias Maschler / Quelle: wikicommons
Schloss Hohenschwangau mit seinem Bilderprogramm zur deutschen Geschichte und germanischen Sagenwelt prägten König Ludwig II. in seiner Kindheit – Foto: © Tobias Maschler / Quelle: wikicommons

Der Wiederaufbau der Burgruine Vorderhohenschwangau war das erste und das größte Bauprojekt von König Ludwig II. von Bayern. Eine Faszination für die Baukunst war ihm in die Wiege gelegt worden. Bereits als Kind spielte er bevorzugt mit Bausteinen, eine Leidenschaft, die sein Großvater und Namenspatron Ludwig I. von Bayern förderte. Ludwig war mit den Bauwerken seines Großvaters und denen seines Vater aufgewachsen, die wie kaum andere Bauwerke das Stadtbild von München und anderen Orten Bayerns prägen.

Besonderen Eindruck machte das Schloss Hohenschwangau auf den jungen König. Sein Vater König Maximilian II. hatte die Ruine der erstmals im 12. Jahrhundert erwähnten Burg 1832 erstanden und ließ sie im Stil der Neugotik umbauen. Die Inneneinrichtung ist vom Biedermeier geprägt. Mehr als 90 Wandgemälde behandeln Themen aus der deutschen Geschichte und der germanischen Sagenwelt. Das Schloss wurde von der Königlichen Familie als Sommerresidenz genutzt. Ludwig verlebte hier mehrere Jahre seine Kindheit. Das Schloss hinterließ mannigfaltige und bleibende Impressionen auf den Jungen, das Zeit seines Lebens sein “Lieblingschloss” bleiben sollte. Er hatte ein Faible für die Sagenwelt und das Mittelalter. Er liebte Wagner und altdeutsche Baukunst. Mit Neuschwanstein wollte sich der junge bayerische König seine eigene Hohenschwangau als Sinnbild einer Ritterburg schaffen.

Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen, im echten Styl der alten deutschen Ritterburgen.

König Ludwig II. von Bayern an Richard Wagner, 15. Mai 1868

1867 unternahm der sonst eher reiseunlustige Lugwig II. zwei Reisen. Dabei besuchte er die Wartburg in Eisenach, deren Wiederaufbau durch das Haus Sachsen-Weimar eben erst abgeschlossen worden war, und in Frankreich das Schloss von Pierrefonds, das von einer Burgruine zu einem historistischen Schloss umgestaltet wurde. Beide Bauten entsprachen zutiefst seinem Verständnis von einer romantischen Verklärung des Mittelalters. Seinem Freund Richard Wagner teilte der König sodann am 15. Mai 1868 brieflich mit, dass der die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht im Stil einer alten deutschen Ritterburg neu aufbauen gedenke. Mit der Planung hatte Ludwig den Königlichen Hofbauintendanten Eduard Riedel, der im Winter 1867/68 erste Grundrisse und Schnittzeichnungen anfertigte. Riedel stellte der König den Theatermaler Christian Jank zur Seite, der die Entwürfe künstlerisch ausformte.