Ankleidezimmer

Ankleidezimmer in der königlichen Wohnung, Schloss Neuschwanstein
Ankleidezimmer in der königlichen Wohnung, Schloss Neuschwanstein

Das in einem hellen Violett gehaltene Ankleidezimmer ist etwa 6,5 x 5 Meter groß und besitzt einen Erker. Es liegt nach Osten zu und bietet durch die dreifache, doppelsäulige Fensterstellung einen Blick über den Burghof. Der Raum wurde im romanischen Stil gestaltet. Er ist mit Wohnzimmer, Schlafzimmer und dem Oratorium verbunden. Die Füllungen der Wände zeigen Gemälde von Eudard Ille mit Motiven aus Leben und Liedern von Walter von der Vogelweide und Hans Sachs. Der Pfau ist das prägende Tier dieses Raumes. Er ist auf Stickereien und den den Friesen zu finden. Die Wände sind holzvertäfelt. Das Waschgeschirr des mit Holzschnitzereien verzierten Waschtisches ist mit Schwan und Löwen ausgestattet. Besonderes Schmuckstück ist der Juwelenschrei, eine kunstvoll geschnitzte Schmuckschatulle.

Bildprogramm des Ankleidezimmers

  1. Der junge Walter am Vogelherd.
  2. Bei Hofe lässt Walter von der Vogelweide ein Lied erklingen.
  3. In begeisterter Rede fordert Walter Ritter zur Teilnahme am Kreuzzug auf.
  4. Fröhlich aufspielend reitet Walter an einer Burg vorbei.
  5. Walter sitzt nachdenkend auf einem Stein, Motiv nach einem Lied Walters.
  6. Walter ist gemeinsam mit Herzog Friedrich von Oesterreich auf Kreuzfahrt.
  7. Unter der Linde, Motiv nach dem bekannten Liebeslied Walters.
  8. Hans Sachs erhält die Ehrenkette des Meistersängers.
  9. Als junger Meister trägt Hans Sachs sein erstes Lied vor.
  10. Der gealterte Sachs sammelt seine Werke.

 

Das Ankleidezimmer ist das erste, welches aus seinem reizenden Erker den Blick auf die wilde Romatik der Berglandschaft eröffnet. Pfeilchenblauer Sammet mit goldegestickten Pfauen verleiht ihm ein besonders prunkvolles Aussehen. Anmutig umspannt es eine Decke, – es ist die einzige nicht holgetäfelte – die in freundlicher Malerei ein Rebengitter zeigt, aus dem sich Tauben in den lichten Himmel schwingen. Kostbare Stücke der Töpferkunst sind die Waschgeräte, deren eigenartige Form durch glänzenden Bilderschmuck noch gehoben wird. Und in entzückender Lieblichkeit grüßt von den Wänden uns die Zeit der Minne- und Meistersänger, verkörpert durch Walter von der Vogelweide und Hans Sachs und die Gestalten ihrer Lieder.

Arthur Graf von Westarp, 1887

Bilder aus dem Ankleidezimmer – Historische Aufnahmen (etwa 1900)