Dienstzimmer

Dienstzimmer in der königlichen Wohnung, Schloss Neuschwanstein - Foto Kunstverlag Franz Hanfstaengl, 1900

Vom Korrdor des 3. Obergeschosses aus gelangt man über die Tür links in das Dienstzimmer, auch Audienzzimmer oder Ministerzimmer genannt. Das Dienstzimmer wird durch eine Säulenstellung in zwei Räume geteilt. Über eine Tür gelangt man ins Arbeitszimmer von Ludwig II. Die Ausstattung des Dienstzimmers ist recht einfach gehalten. Die Holzvertäfelung der Wände ist mit Schnitzereien ausgeführt, die Wände sind farbig bemalt. Grundfarben des Raumen sind Blau und Gold. In die Vorhänge aus Wolle sind Motive von Tieren eingewebt.

Eine den Fenstern parallele Säulenstellung trennt von dem Hauptgelass eine fensterlose Nische ab, eine Anordnung, die in mehreren Zimmern wiederkehrt. Die Säulen sind aus Stein, kurschaftig, glatt und tragen reiche Kapitäle, reiche Bildhauerarbeiten, die teils den Urstoff freilässt, teils ihn mit goldenem Überzuge umhüllt hat. Und sehen wir näher zu, so bemerken wir, dass nicht ein Kapitäl dem anderen gleicht. Hier Tierfiguren, dort Laubornamentik, Engel- und Vogelköpfe, Würfel-, Kelch- und Knospenformen in immer wechselnder Mannigfaltigkeit. So ist es durch das ganze Schloss. Jede Säule von den Tausenden in den Sälen und Zimmern, Galerien und Fensterbogen ist eigenartig und liebevoll behandelt. So ist es in allem, was hier geschaffen ist.

Adolph Graf von Westarp, 1887