Grotte und Wintergarten

Wintergarten in der königlichen Wohnung, Schloss Neuschwanstein - Foto Kunstverlag Franz Hanfstaengl, 1900

Zwischen dem Arbeitszimmer und dem Wohnzimmer ist eine kleine Grotte zu finden, eine Nachbildung einer Tropfsteinhöhle, in der einst ein kleiner Wasserfall rauschte. Sie ist als eine romantische Verklärung der “Tannhäuser”-Sage und wurde von dem Bühnenbildner August Dirigl geschaffen. Sie erinnert an den Hörselberg, in dem Tannhäuser bei Venus lustvolle Zerstreuung fand.

Von der Grotte gelangt man durch eine Durch eine gläserne Tür in den Wintergarten. Der Wintergarten enthielt einen kleinen Blumengarten und einen Springbrunnen. Er soll an die hängenen Gärten der Semiramis erinnern. Vom Wintergarten aus erhält man einen wunderbaren Bild auf die Seen und den Lech.

Hier rauschte ein künstlerischer Wasserfall, hier schien ein künstlicher Mond, der in den Phasen des wirklichen wechselte, auf die magische Flut – man denke vier Stockwerke über der Hochfläche des einsamen Felsens! Und wie ein Schwalbennest unter dem Dachfirst, so ist an dieser nachttäuschenden Grotte ein helles, glasumdecktes Gärtchen in den freien Raum hineingebaut. Schwindelnd sieht man in die entsetzliche Tiefe nieder, in welche der Bergfelsen abbricht, schwindelnd hinaus in das weite, sonnige Land. Orangen und Jasmin blühen hier, des Königs Lieblingspflanzen, und südliches Schlingkraut, und Paradiesvögel flogen frei durch die duftberauschenden Büsche.

Adolph Graf von Westarp, 1887