Schlafzimmer (Schlafgemach)

Schlafzimmer des Königs auf Schloss Neuschwanstein, kolorierte Fotografie von Joseph Albert, 1886
Schlafzimmer des Königs auf Schloss Neuschwanstein, kolorierte Fotografie von Joseph Albert, 1886

Der Gestaltung der Schlafräume der königlichen Wohnung maß Ludwig II. eine hervorragende Bedeutung zu. Gemeinsam mit dem benachbarten Oratorium wurden das Schlafgemach als einziger Raum im gotischen Stil ausgestattet. Dominiert wird das Zimmer von Ludwigs Bett, das mit zahlreichem Schnitzwerk versehen ist. Die Decke seines Baldachins ist mit goldenen und silbernen Sternen versehen und an der Kopfwand ist ein Gemälde von Maria mit dem Jesuskinde zu finden. Über vier Jahre hat die Arbeit daran gedauert.

Der Grundton des Zimmers ist dunkelbau, das mit Gold kontrastiert. Es ist etwa 12 x 6,5 Meter groß. Tapetentüren führen in das Toiletten-Zimmer und das Cabinett. Und architektonische Türen verbinden das Schlafgemach mit dem Speisezimmer und dem Oratorium. Die Decke wird von einer zierlichen Säule getragen, durch die der Raum in zwei Teile gegliedert wird. Der Erker vergrößert den Raum. Und von dem Balkon des Schlafgemachs erhält man wunderbare Ansichten von Pöllatschlucht, Marienbrücke und auf den entfernten Säuling, der das Wasser für den Waschtisch liefert. Die Wände zieren Gemälde mit Motiven aus Tristan und Isolde.

Die Gestaltung des Zimmers nimmt einen Rückbezug auf Ludwig XIV. und dessen alltäglichem Zeremoniell. Das Protokoll des Sonnenkönigs war minutiös festgelegt und besagte, wer sich dem König im Schlafgemach nähern konnte, wie weit und welche Rechte er an dem morgendlichen Ablauf des Königs hatte. Im Schlafzimmer war es auch, als Ludwig II. in der Nacht zum 12. Juni 1886 festgenommen wurde.

Bildmotive im Schlafgemach

  1. Tristan bietet Isolde Wein zum Trunk an. Brangäne bemerkt abseits der Schiffskammer die Verwechslung.
  2. Die nächtlichen Zusammenkünfte von Tristan und Isolde im Garten unter dem Ölbaum beim Brunnen. Brangäne hält Wache. Zu beiden Seiten des Bildes befinden sich allegorische Figuren (die Minne und die Treue, Poesie und der Minnegesang, der heilige Georg)
  3. Der König Marke überrascht die schalfenden Tristan und Isolde. Tristan steckt ihr vor seiner Flucht einen Ring an den Finger. Brangäne drängt zum Abschied.
  4. Tristan liegt tödlich in seinem Schloss, auf das Schiff mit Isolde wartend. Abseits steht seine eifersüchtige Frau Isolde.
  5. Isolde an Tristans Leiche stirb an gebrochenem Herzen. König Marke verzieht den beiden Toten die erlittenen Kränkungen.

An der Fensterseite sind zudem Halbbilder der bekannten Dichter der Tristan-Sage zu finden.

Überwältigt bleiben wir an der Schwelle stehen. Nach den ernsten und einfachen Formen des romanischen Stils, der uns bisher begleitet hat, blüht uns auf einmal die reiche, herrliche Architektur der Gotik entgegen. Von den Wänden, über den Türen, Bett und Schreinen, vom Gesims herab und den Trägern des Bebälks, um die Eichensäule her, die, mitten aus dem Zimmer emporwachsend, die Stolze Decke stützt, schwillt und quillt sie entzückenden Gebilden. Was irgend nur ein Meister sich erdacht an herrlicher Zier, um die himmelstrebenden Formen zu umkleiden, was an Schnitzwerk, Schmiedekunst und Weberei die Gotik Schönstes nur erzeugen kann, das ist vereint, um diesen Raum zu einer Kunsthalle ohnegleichen zu erheben. Man achte nur wieder auf Kleinigkeiten, die Stahlbeschläge an den spitzbogigen Eichentüren, um die Ganze Fülle des Schönen zu begreifen, das uns hier umgibt. Das blauseidene Bett, dem zu Häupte eine Pilotysche Madonna thront, umwölbt ein Baldachin, der mit seinen Türmchen und Kreuzblumen wie ein Wald von Tannenwipfeln in die Höhe strebend, an Kostbarkeiten den allerreichsten Kanzeldächern gleichsteht. Das Maßwerk an der Fußwand ist wohl noch schöner, freundlicher jedenfalls in seiner feindurchbrochenen Arbeit als der fast zu ernste Kirchenstil des Betthimmels selbst. Ein Waschtisch mit reich umrahmten Spiegel und blinkenden Armleuchtern spendet aus silbernem Schwane frisches Quellwasser in ein silbernes Becken. Vom Ofen heben sich die Standbilder Tristans und Isoldens, und Taten aus diesem Epos der Liebe stellen die Wandgemälde dar.

Adolph Graf von Westarp, 1887

Bilder aus dem Schlafgemach – Historische Aufnahmen (etwa 1900)