Speisezimmer

Speisezimmer in der Wohnung des Königs auf Schloss Neuschwanstein, kolorierte Fotografie von Joseph Albert, 1886
Speisezimmer in der Wohnung des Königs auf Schloss Neuschwanstein, kolorierte Fotografie von Joseph Albert, 1886

Das nach Süden gerichtete Speisezimmer König Ludwigs II. wird von den Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmern umgeben. Es ist etwa 7 x 5 Meter groß. Licht wird durch zwei Doppelfenster gespendet. Der Raum im ronanischen Stil wird von den Farben Purpur und Gold bestimmt. Die Gemälde Ferdinand von Pilotys setzen sich mit dem Leben am Hof der Wartburg von Hermann von Thüringen auseinander, befasst sich mit dem Sängerkrieg auf der Wartburg und namhaften Minnesängern der Zeit. Vertäfelungen sind mit Ornamentschnitzereien besetzt. Auch sonst sind hier üppige Schnitzereien zu entdecken. Unter den Kunstschmiedearbeiten sticht der vergoldete Aufsatz auf der Tafel heraus, auf dem Siegfried im Kampf mit dem Drachen dargestellt wird. Der Kronleuchter über der Tafel wurde ebenfalls mit Drachenmotiven ausgeführt. Ein Ofen, mit Rundbögen und Säulen ausgeführt, trägt einen Schwan aus Porzellan.

Bildprogramm des Speisezimmers

  1. Wolfram von Eschenbach
  2. Gottfried von Straßburg
  3. Reinmar von Zweter
  4. Der verkleidete Klingsor legt dem Hof seiner Rätsel vor.
  5. Sängerkrieg auf der Wartburg
  6. Klingsor und Ofterdingen bei der Zauberfahrt durch die Lüfte.
  7. Landgraf Hermann von Thüringen beauftragt Eschenbach mit der Übersetzung des Willehalms.
  8. Die Sänger werden von Landgraf Hermann beschenkt.
  9. Heinrich von Veldegge erhält das Manuskript der Aeneis zurück.
  10. Idylle auf der Wartburg

 

Das Speisezimmer, in Weinrot und Gold, ist das letzte in der Flucht der Königsgemächer. Die reichen Polstersessel um den schönen Esstisch stehen leer. Schöne Schränke an den Wänden und darüber Bilder aus dem Leben auf der Wartburg und den Hauptfiguren des Sängerkrieges: Heinrich von Ofterdingen, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg, Reimar von Zweter; Kron- und Armleuchter aus schwerem, ziseliertem Messing; auf dem Ofen, der einfach und niedrig ist, wie in sämtlichen Räumen, ein lebensgroßer Schwan aus Majolika, und auf dem Tisch eine wundervolle Goldschmiedearbeit: Siegfried den Drachen tötend unter einem Eichbaum, in dessen Blättern Vöglein singen und dessen Stamm Farnkraut und Disteln umwuchern.

Arthur Graf von Westarp, 1887

Bilder aus dem Speisezimmer – Historische Aufnahmen (etwa 1900)