Das Parzival-Epos

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Parzival in der Gralsburg beim leidenden Amfortas
Parzival in der Gralsburg beim leidenden Amfortas, Gemälde von August Spieß, Sängersaal Neuschwanstein, 1883/84

Parzival ist ein Epos von Wolfram von Eschenbach. Eschenbach konnte weder lesen noch schreiben. Seine Gedichte sagte er einem Schreiber vor. Sein Parzival ist eine der tiefsten und gedankenreichsten Schöpfungen mittelalterlich-höfischer Dichtung, die zwischen 1203 und 1210 entsanden sein muss. Im Parzival verschmolz Eschenbach zwei große Sagenkreise: die Sage vom heiligen Gral und die Sage von König Artus und der Tafelrunde. Auch Elemente der Lohengrin-Sage sind hierin angelegt. Die Wandgemälde im Sängersaal von Neuschwanstein zeigen verschiedene Episoden aus dem Parzival-Epos.

Zusammenfassung des Parzival-Epos

Parzivals Kindheit

Parzival ist der Sohn des Ritters Gamurets und der Herzleide. Nach dem frühen Tod seines Vaters, der im Kampf vor Babylon fiel, wuchs Parzival in der Einöde von Soltane am Brezianwald auf. Seine Mutter zog diese Einöde vor und wollte Parzival vor dem verderblichen Rittergeist bewahren. Diese Ritterwelt soll ihm gänzlich fremd bleiben, hatte sie entschieden. So wächst er im Einklang mit der Natur auf. Eines Tages baut er sich Pfeil und Bogen und trifft damit einen Vogel. Parzival klagt bitterlich hierüber als der Gesang des Vogels erlischt.

Der jugendliche Parzival begegnet einem Ritter

Parzival wird älter. In ihm keimt die Sehnsucht nach der weiten Welt auf. Als er sich einmal auf die Jagd begibt, trifft er auf einen Ritter prächtigen Ansehens. Parzival ist so fasziniert, dass er wähnt einen Gott zu erblicken. Eine neue Welt tut sich für Parizval auf. Er erfährt über das Wesen und die Herrlichkeit des ritterlichen Lebens. Seine Mutter kann ihn nicht mehr halten. Sie lässt ihn in Narren-Kleidung ziehen und hofft, dass man ihn verlacht und er wieder heimkehrt.

Parzival besiegt den roten Ritter und geht zur Schule

Nach einigen Abenteuern gelangt Parzival nach Nantes in Südfrankreich. Es ist der Hof von König Artus. Durch sein Gewand erregt Parzival für Aufsehen. Denn eine Fürstin, die gelobte niemals mehr zu lachen, brach bei seinem Anblick in Gelächter aus. Parzival drängt es zu Heldentaten. Er besiegt den roten Ritter, der von der Tafelrunde von Arthus einen Becher gestohlen hatte. So gelangt Parzival an Rüstung und Pferd. Bei Gurnemanz lernt er das Zeug zu einem edlen Ritter.

Parzival gewinnt die Hand Konwiramurs

Es treibt ihn weiter. So gelangt Parzival nach Belrapeire, in der Kondwiramur residiert. Die Stadt wird von einem Ritter belagert. Dieser will mit Macht die Liebe der Königin Kondwiramur erlangen. Parzival bezwingt den Ritter und erhält die Hand der Königin. Doch das Liebesglück kann seinen Tatendrang nicht stillen. Es überkommt ihn die Sehnsucht nach seiner Mutter. Von deren Tod hatte er nichts erfahren.

Parzival gelangt auf die Gralsburg

Er reitet fort und gelangt am Abend an einen See, an dem er Fischer erblickt. Einer der Fischer, traurig ernst, schickt Parzival zu einer nahe gelegenen Burg. Hier wird er festlich empfangen. Im Saal sitzen vierhundert Ritter. Überall gewahrt Parzival prunkvollen Reichtum. Edle Frauen gehen in Seidengewändern einher. Die sechs schönsten von ihnen begleiten die jungfräuliche Herrin in den Saal. Sie trägt den heiligen Gral. Er ist der irdischen Wünsche höchstes Ziel und das Sinnbild des Heils zwischen Himmel und Erde. Noch keine lebte bisher so rein und edel, um würdig zu sein als Hüter des Grals.

König Amfortas wird von Parzival nicht erlöst

Der Gral wird vor den König gebracht. Der Herr der Burg ist eben jener traurige Fischer, ein Onkel Parzivals, König Amfortas. König Amfortas ist krank. Es wird eine von Blut triefende Lanz durch den Saal getragen und allgemeines Wehklagen bricht aus. Parzival weilt in der Gralsburg an der Stätte des höchsten glücks und des größten Leids. Er allein kann es wenden. Er kann es tun, indem er danach fragt. Doch Parzival, dem Gurnemanz einstmals mahnte, keine kindischen Fragen zu stellen, vermeidet jedoch jede Frage nach dem Leid des Königs. Die Frage würde den König von seinem Leid erlösen.

Als Parzival erwacht, ist die Burg verlassen. Ein Knappe läßt ihn aus der Burg und schilt Parzival, weil er zu fragen unterlassen hatte. Auf seinem Weg begegnet er einer Jungfrau, die ihren toten Mann in den Armen hält. Parzival kennt sie nicht. Es ist seine Pflegeschwester Sigunde. Sie erklärt ihm sein schweres Versäumnis und flucht über ihn, dass er das Leid über dem König des Grals gelassen hat.

Parzival macht sich auf die Suche nach dem heiligen Gral

Schwermütig reitet Parzival weiter. Im Schnee wird er drei Blutstropfen gewahr. Sie stammen von einer angeschossenen Taube. Er erinnert sich an seine Gemahlin Kondwiramur. Das Heimweh überkommt ihn. Die Liebe Kondwiramurs zieht ihn in seinen Bann. Ritter der Tafelrunde begaben sich unterdes auf die Suche nach Parzival. Sie finden ihn ihm Wald beim Anblick des Blutes. Sie bedecken das Blut und kehren mit Parzival zur Tafelrunde zurück. Kundrie, die Botin des Gral, verflucht Parzival. Er hadert mit sich selbst und der welt, er ist von Zweifeln und Trübsal gepeinigt und reitet letztlich hinaus in die Welt, um sich auf die Suche nach dem Gral zu begeben.

Parzivals Irrfahrt

Seine Irrfahrt dauert viele Jahre, fern von Gott und von der Heimat. Erneut trifft er Sigunde. Sie beklagt noch immer den tod ihres Mannes. Sie ist blaß geworden, ihre schönen Züge sind entschwunden, doch sie hegt keinen Gram mehr über Parzival. Sie fühlt, wie er selbst um seine Frau und um den Gral leidet. Sie rät ihm, der Grals-Botin Kundrie nachzueilen, doch Parzival verliert ihre Spur. Doch Parzival findet Kahemins, einen greisen Fürsten, der mit seiner Familie im Büßerhemd umherwandert.

Parzival kommt zum Einsiedler Trevrizent

Kahenis zürnt über Parzival, denn dieser erscheint am Karfreitag, des Herrn Leidenstag, in Rüstung und Waffen. Parzival hat keine Ahnung, welcher Tag ist. Er erinnert daran, dass er einmal einem herrn gedient hat, dem er Schmerz, Leid und Spott gebracht hatte. Kahenis rät ihm, sich zum Klausner Trevrizent zu begeben. Parzival begibt sich dort hin. In ihm wächst immer mehr das Gefühl, dass er die Hilfe Gottes erlangt. Dem Einsiedler Trevrizent erzählt Parzival von all seinen Leiden und seinen Kämpfen, von seiner Suche und seinem Ziel. Sein Weib möchte er wiederfinden. Und den heiligen Gral.

Parzival wird Büßer

Der Einsiedler gibt sich als Bruder seiner Mutter Herzeleide und des Königs Amfortas zu erkennen. Parzival wird zum Büßer. Den Gral kann er nicht mit Gewalt erzwingen, lernt er. Es gelingt ihm allenfalls mit Gottes Willen. Der Demütigen erblickt das höchste Heil. Auch den sündigen Amfortas hatte der giftige Pfeil des Leids getroffen., berichtet der Einsiedler. Ihn zu heilen war vergebens. Selbst der Anblick des heiligen Grals konnte ihn nicht erlösen.

Parzival blieb 14 Tage. Er wird ein neuer Mensch und entsagt seinen Sünden. Als er den Einsiedler verlässt, hat er das Vertrauen in Gott gefunden und die Kraft, Verlockungen zu entsagen. Er besteht weitere Prüfungen und gelangt wieder an die Tafelrunde von König Artus.

Parzival wird zum Herrn des Grals

Eines Tages naht sich die Gralsbotin Kundrie, als die Ritter bei der Tafel zusammensitzen. Sie fleht Parzival um Vergebung an. Kundrie bringt ihm die Kunde, dass ihm die höchste Ehre zu teil wird. Parzival wird zum Herrn des Grals. Nun kann er König Amfortas erlösen. Parzival ist zu Tränen gerührt. Seine Frau Kondwiramur hatte ihm Zwillinge geboren. Einer der Zwillingsbrüder, Lohengrin, soll der Nachfolger im Königtum des Grals werden.

Parzival erlöst Amfortas und begibt sich auf die Gralsburg

Von einem Ritter begleitet begibt sich Parzival auf den Weg zur Gralsburg. Er befreit Amfortas mit seiner Frage. An jener Stelle, als er die Blutstropfen entdeckte, findet er seine Frau mit den Kindern. Gemeinsam ziehen sie in der Gralsburg ein. In einer festlichen Messe dankte er Gott. Seinen Sohn Kardeiß krönte er zum Fürsten über die weltlichen Reiche.