Sigurd-Sage (Siegfried)

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Sigurd ist eine nordische Sagenfigur. Die Sage stammt aus der nordischen Edda und gehört zu den Nibelungensagen. Im Großen und Ganzen entspricht sie im Deutschen der Siegried-Sage.

Sigurd-Sage – Eine Zusammenfassung

Loke tötet Hreidmars Sohn

Als die Asen – Götter – durch die Welt reisten, um dieselbe näher kennen zu lernen, kamen Odin, Häner und Loke zu einem Fluss mit einem Wasserfall. Dort fanden sie eine Otter, die einen Lachs gefangen hatte und diesen verzehren wollte. Loke nahm einen Stein, verwundete die Otter und rühmte sich seiner guten Jagd, indem er zwei Tiere mit einem Wurf erlegte. Die Beute brachten die Asen in das Dorf von Hreidmar, ein gewaltiger Zauberer. Als Hreidmar die Otter sah, rief er seine beiden Söhne, Fofner und Reigen, herbei. Er erzählte ihnen, dass die Fremden die Otter, ihren Bruder, getötet hätten. Dieser war ein großer Jäger, glücklicher als andere Menschen, und ging gewöhnlich in Gestalt einer Fischotter an den Fluss zur Jagd.

Die Asen sollen sich aus ihrer Schuld lösen

Hreidmar und seine Söhne banden die Asen an den Händen. Sie waren ihnen durch ihre Blutschuld zur Rache verfallen. Die Asen versicherten die Absichtslosigkeit der Tat, und boten Lösegeld, so viel Hreidmar verlangen würde. Der Zauberer zog der Otter die Haut ab. Die Asen sollten diese Haut mit Gold ausfüllen und sie auch ganz mit Gold bedecken. Dann solle Friede zwischen ihnen sein.

Loke erpresst von Zwerg Andwari dessen ganzes Gold

Loke, der die Otter getötet hatte, musste sich Rat verschaffen. Odin schickte ihn in das Land der Schwarzelfen, um Gold zu suchen. Dort fand er den Zwerg Andwari, der in Gestalt eines Fisches im Wasser spielte. Loke ergriff ihn und erpresste für seine Freiheit alles Gold, das er in seinem Felsen hatte. Der Zwerg brachte das Gold. Aber in seiner Hand verbarg er einen kleinen Ring. Loke ließ ihn den Ring zum Gold legen. Der Zwerg wollte ihn behalten, doch Loke bestand auf den Ring. Andwari belegte den Ring daher mit einem Fluch. Der Ring soll desjenigen Mörder sein, der ihn besitzt. Loke, dem das Stiften von Unglück eine liebgewordene Beschäftigung war, nahm den Ring mit sich.

Andwaris Fluch geht in Erfüllung

Als Loke zu Hreidmar kam, fand Odin den Ring außerordentlich schön und nahm ihn von dem Haufen. Hreidmar ließ die Otter voller Gold füllen und sie mit Gold bedecken. Ein einziges Haar an der Schnauze war noch unbedeckt. Mit dem einbehaltenen Ring musste Odin dieses Haar bedecken. Die Asen waren frei. Der Fluch Andwaris, der auf den Ring lastete, ging alsbald in Erfüllung.

Die beiden Brüder wollten ihren Teil vom Goldschatz, den der Vater ihnen verweigerte. Daraufhin wurde er von seinen Söhnen erschlagen. Reigen wollte nun die Häfte des Goldes an sich nehmen. Doch Fofner gab das Gold nicht heraus. Er setzte jagte seinen Bruder fort. Reigen floh. Unter dem König Hialfrek wurde er Schmied, Fofner aber zog mit seinen Schätzen nach der Gnytaheide, verwandelte sich in eine mächtige Schlange und legte sich dort auf das Gold, um es zu bewachen.

Reigen erzieht sich Sigurd als Rächer

In Sigurd erzog sich der Schmied einen Rächer. Sigurd Sigmundsohn war mit seiner Mutter an Hialfreks Hof gekommen, der König hatte die Mutter geehelicht und liebte den Knaben wie seinen Sohn. Sigurd war der wackerste aller Heerkönige an Geschlecht, Kraft und Sinn. Reigen sagte diesem, wo Fofner liege, und ermunterte ihn, das Gold zu suchen. Aus den Stücken des Schwertes Volsungs machte er ein neues Schwert, das so scharf war, dass Sigurd Reigens Ambos spaltete. Das Schwert war so scharf, dass es, in den Fluss gesteckt, eine Wollflocke zerschnitt, die dieser dagegen trieb.

Sigurd tötet den Drachen, doch Reigen will ihn betrügen

Reigen ging mit Sigurd nach Gnytaheide. Dort grub Sigurd auf dem Wege, den Fofner zum Wasser nahm, eine Grube. Er setzte sich hinein, und als die Schlange darüber hinwegkroch, erstach Sigurd die Schlange. Reigen aber kam und sagte, Sigurd habe seinen Bruder getötet. Sigurd sei ihm dadurch in Blutschuld verfallen. Zur Sühne müsse er Reigen Fofners Herz braten. Reigen trank von des Drachen Blut und legte sich schlafen. Sigurd saß am Feuer und briet das Herz des Drachens.

Beim Braten lief ihm das Fett von dem Herzen über die Finger. Er leckte daran und als das Herzfett auf seine Zunge kam, verstand er die Vogelsprache. Er lauschte einem Gespräch der Schwalben und erfuhr, dass ihn Reigen betrügen wollte. Sigurd ging daraufhin zu Reigen und tötete ihn. Mit seinem Ross Grani ritt er zu Fofners Wohnung und nahm das Gold in Säcke, lud es auf Grani’s Rücken, und wollte sein Ross heimführen. Doch das Ross ging nicht von der Stelle. Sigurd ahnte weshalb. Er setzte sich auf seinen Rücken, und sogleich trabte es lustig davon.

Sigurd verlobt sich mit Brünhilde und Kriemhilde verwünscht ihn, der sodann Gudrun zur Frau nimmt

Sigurd ritt nun, bis er zu den Hindaralpen kam. Dort fand er ein Haus, darin schlief eine schöne Frau, die war gepanzert mit Helm und Harnisch. Sigurd ergriff sein Schwert und hieb ihr den Panzer ab, da erwachte sie. Es war Brünhilde, eine Walküre. Die Schönheit des Mädchens erweckte Sigurds Liebe. Er verlobte sich mit der Heldenjungfrau, ritt von dannen und kam zu einem König, der Giuki hieß. Der hatte mit seiner Frau Kriemhilde drei Söhne: Gunnar, Högni und Guttormur, und eine Tochter, Gudrun. Hier verweilte Sigurd einige Zeit. Da gab ihm Kriemhilde einen Trank, so dass er Brünhilde gänzlich vergaß und sich mit Gudrun vermählte.

Sigurd besteht für Gunnar die Prüfung und gewinnt Brünhilde als dessen Frau

Mit ihren Brüdern Gunnar und Högni zog er auf Abenteuer aus. Sie kamen auf ihrer Reise zu Atli, Budla’s Sohn, und verlangten seine Schwester Brünhilde für Gunnar zur Gattin. Sie aber saß auf den Hindaralpen und hatte um ihr Haus den Feuerstrom Waffurlogi (Flackerlohe) geleitet und eidlich gelobt, niemand zu nehmen, der nicht durch diesen Feuerstrom zu reiten wagte. Da ritten Sigurd und die Bürder, die auch die Nibelungen genannt wurden, auf die Alp und wollten hindurch. Gunnar wagte aber nicht, über das Feuer zu springen. Da wechselten Sigurd und Gunnar ihre Gestalten und Namen und Sigurd tat an Gunnars Stelle den gefährlichen Sprung und kam hinüber.

Brünhilde erhält als Brautgeschenk den Ring Andwaris

Am Abend ging er mit Brünhilde zur Hochzeit. Als sie an’s Bett kamen, zog er sein Schwert Gram aus der Scheide und legte es zwischen beide. Doch am Morgen, als er aufstand, gab er zur Verlobungsgabe ihr den Goldring, den Loke von Andwari genommen hatte. Von ihr empfing er einen anderen Ring zum Pfande. Sigurd nahm darauf sein Ross, ritt heim zu den Seinigen und vertauschte das Aussehen wieder mit Gunnar.

Der Rollentausch fliegt auf

Brünhilde und Gunnar reisen nach. Brünhilde und Gudrun wetteifern miteinander, als sie sich die Haare wuschen, wer von beiden, den besseren Mann haben. Bei diesem Wettstreit fliegt der Schwindel von Gunnars und Sigurds Rollentausch auf.

Brünhilde lässt Sigurd töten und ersticht sich selbst

Brünhilde schwieg und ging nach Hause: Dort reizte sie Gunnar und Högni, Sigurd zu ermorden. Da diese aber sich durch einen Eid mit ihm verbunden hatten, taten sie es nichts. Doch ihr dritter Bruder, Guttorm, durchbohrte Sigurd im Schlaf mit einem Schwert. Er selbst kam zu Tode, denn Sigurd hatte noch Kraft, sein Schwert Gram nach dem Mörder zu werfen. So fiel Sigurd und auch sein Sohn Sigmundur, den die Nibelungen töteten. Hierauf erstach sich Brünhilde und wurde mit Sigurd verbrannt. Aber Gunnar und Högni nahmen Fofnirs Erbe und den verhängnissvollen Ring und herrschten über ihre Lande.