Walter von der Vogelweide

Walter von der Vogelweide - Unter der Linde, Neuschwanstein, Ankleidezimmer, Gemälde von Eduard Ille,
Walter von der Vogelweide - Unter der Linde, Neuschwanstein, Ankleidezimmer, Gemälde von Eduard Ille

Walter von der Vogelweide war einer der hervorstechendsten Minnesänger im 12./13. Jahrhundert. Neben religiösen Stoffen besang er auch die Ehre des deutschen Volkes, die Pflichten und die Würde des Kaisers, die Angelegeneheiten von Fürsten, Recht und Unrecht des Papstes und vieles mehr. Aber auch stimmungsvolle Minne- und Liebeslieder schuf der Minnesänger. Ein Bilderzyklus im Ankleidezimmer Schloss Neuschwansteins widmet sich daher der Geschichte des berühmten Sängers. Leider gibt es kaum Dokumente, die von seinem Leben zeugen. Nur seine Werk sprechen über ihn. Als historische Quellen gelten zumindest seine Sangsprüche, die Aufschluss über die Weltauffassung von Vogelweide geben. Walter von der Vogelweide steht jedoch nicht wirklich für eine “Sage”.

Walter von der Vogelweide gehörte seiner Zeit dem niedere Adel an. Der obere der Vogelweidehöfe in Tirol soll seine Heimat gewesen sein. Als Spielmann zog er von Fürstenhaus zu Fürstenhaus. 1198 hat er sich wahrscheinlich beim Landgrafen von Thüringen eingefunden. Zwischen den damaligen Minnesängern fand gegen 1200 ein Wettstreit auf der Wartburg statt, an dem Walter von der Vogelweide teilnahm. Auch Wolfram von Eschenbach, Heinrich von Ofterdingen und anderen berühmte Sänger ihrer Zeit nahmen an dem Sängerkrieg teil. Ofterdingen sollte in dem Wettstreit sein Leben verlieren. Die Landgräfin ließ daher den berühmten Zauberer Klingsor aus Ungarn kommen, der den Streit befrieden sollte.

Walter wurde weltbekannt. Als Kaiser Heinrich IV. mit seinem Gegenkaiser kämpfte, nahm er an der Seite Heinrichs an den Kämpfen teil, bliebt dabei aber den Tugenden und der Sitte treu. Seine Wanderung von Hof zu Hof führte ihn auch zum Kaiser der Hohenstaufer Friedrich II. Dieser schenkte ihm ein Heim, doch Walter von der Vogelweide zog es weiter. Sein “Sang unter der Linde” gehört heute zu den literarisch bedeutendsten Minneliedern seiner Art. Weiter dichtete er Wett- und Streitgesänge, die die Auseinandersetzungen von Papst und Kaiser thematisieren. Im hohen Alter beteiligte er sich noch am Kreuzzug von Friedrich II. In seinen hier erhaltenen Liedern gemahnt er christlicher Ehre. Bei seiner Rückkehr klagt er über die Vergänglichkeit allen Idrischens.

Die letzte Station von Walter von der Vogelweide ist Würzburg. Unter einem Baum im Lorenzgarten des neuen Münsters wurde er begraben. Seine Lieder bleiben kostbare dichterische Gaben zu einer Zeit, als die deutsche Sprache noch kein Gemeingut war.

“Under der Linden” – Minnesänge von Walter von der Vogelweide

Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen ê.
dâ wart ich empfangen
hêre frouwe
daz ich bin sælic iemer mê.
kust er mich? wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.

Dô hete er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
bî den rôsen er wol mac
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.

Daz er bî mir læge,
wesse ez iemen
(nu enwelle got!), so schamte ich mich.
wes er mit mir pflæge,
niemer niemen
bevinde daz wan er und ich
und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.